Freitag, 3. März 2017

Nachtrag – oder: Die reisende Ablage

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Ahh, aufgrund der Kommentare fürchte ich, ich habe mich in meinem letzten Post falsch ausgedrückt. Ein kleiner Nachtrag zur Klarstellung:

Mit »Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht mehr auf« meinte ich NICHT den finanzellen Aspekt. Das würde ja bedeuten, dass meine Distributoren Kosten für das Bereithalten der selbstverlegten Bücher berechnen, und das ist definitiv NICHT der Fall. Bei den von mir gewählten Anbietern Neobooks und BoD (Books on Demand) ist das Bereithalten vollkommen kostenlos, und mir ist auch kein Distributor bekannt, der das heute noch anders handhabt. Solltet ihr jemals einen Selfpublishing-Anbieter entdecken, der fürs bloße Bereithalten Geld verlangt, wäre mein Rat: FLIEHT!

Professionelles Selfpublishing verursacht zwar Kosten für Dienstleistungen, die das Buch selbst betreffen (Cover, Satz, Lektorat etc.); bei manchen Distributoren ist auch eine einmalige (!) Einstellungsgebühr üblich, bei BoD zum Beispiel 19 Euro für die Einstellung eines Printbuchs. Bereithaltungskosten dagegen halte ich für absolut unseriös.

Für Verlage gilt übrigens Ähnliches: KEIN Verlag, der von seinen Autoren Geld verlangt, ist seriös. Der Verlag bezahlt den Autor, nicht umgekehrt. Alles andere ist, Verzeihung, ein großer Scheißhaufen. Ein Verlag, der Geld von seinen Autoren verlangt, ist in der Regel ein Druckkostenzuschussverlag und ebenfalls zu meiden.

Heißt in Bezug auf meinen letzten Post: Die »Kosten« für die bereits existierenden Selfpublishing-Bücher sind NICHT finanzieller Natur. Gemeint war damit, dass sie mir schlichtweg Arbeit in Form von Buchhaltung machen, die mir bei den nach einem Jahr kaum noch vorhandenen Einkünften definitiv zu viel ist.

Wer veröffentlicht, muss seine Einkünfte dem Finanzamt angeben. Auch dann, wenn er nur so wenig einnimmt, dass er gar keine Steuer bezahlen muss. So kostet mich jedes Buch persönliche Ressourcen, die mir die paar Euro im Jahr, die die Bücher noch abwerfen, nicht wert sind. Meine Steuererklärung wird wesentlich unkomplizierter für mich, wenn ich nur noch die Verlagshonorare angeben muss. Da kommt zwar auch nichts Nennenswertes mehr rein, aber wie schon gesagt: Diese Verträge sind verbindlich.

Ich hoffe, die Situation ist jetzt etwas klarer. :)

Dazu passend schnell noch eine Anekdote meine Ablage betreffend, die ich schon seit circa zwei Wochen bloggen will. Konkreter gesagt, seit ich wegen dieser ganzen Situation nachts fast abgeröchelt wäre vor Lachen und beinahe mein Asthma-Bedarfsmedikament gebraucht hätte.

Meine Ablage und ich. Das ist ein großes Drama, seit es Unterlagen jedweder Art in meinem Leben gibt. Ich weiß nicht, warum. Ich habe über viele Jahre meine halbe Familie in bürokratisch-finanziellen Dingen über Wasser gehalten und hatte nie nennenswerte Probleme damit, und das bereits im frühen Teenageralter, obwohl ich Papierkram-Tätigkeiten schon immer gehasst habe.

Sobald es aber um Bürokratie ging, die ausschließlich mich betraf – für deren Schleifenlassen also NIEMAND außer mir selbst Ärger bekommen konnte –, war das Chaos geboren. Meine Ablage von 2005 (Bezug meiner ersten eigenen Wohnung) bis 2007 (Zusammenziehen mit Georg) gleicht einem Schlachtfeld. Konkreter, einem auf insgesamt sechs Ablage-Boxen verteilten Schlachtfeld. Das bis zum heutigen Tag niemals seinen Weg in Ordner gefunden hat.

Ab 2007 ging es dann, weil ab da eine ganze Weile Georg unsere gemeinsame Ablage gemacht hat. Wenn es darum ging, mit irgendwelchen Behörden oder sonstigen Stellen Korrespondenz zu betreiben, war das zwar immer mein Job, aber das korrekte Verstauen des Ganzen war vorrangig Georgs Ding; ab und zu haben wir es auch gemeinsam gemacht. Bis ca. 2009, als solche Dinge motorisch für ihn immer schwieriger wurden. Ab da habe ich die Ablage dann mehr und mehr übernommen, und heute bin ich zumindest so weit, am Anfang des Monats immer die gesamte Ablage des Vormonats gemacht zu haben.

Aber wir erinnern uns: meine Ablage von 2005 bis 2007, verteilt auf sechs Boxen. Wie ist es möglich, dass die sich nie vom Fleck (= aus den Boxen heraus) bewegt hat? Ich bin seither schließlich mehrfach umgezogen, zweimal allein und dreimal gemeinsam mit Georg, insgesamt also fünfmal.

Tja. Ich habe volle fünf Male einfach alle sechs Ablage-Boxen gemeinsam in einen Umzugskarton gestellt, sie in der jeweils neuen Wohnung wieder ausgepackt und so gelassen, wie sie waren. Darin dürften sich unfassbare Dinge tummeln, vom Schriftverkehr mit meinem ersten Vermieter bis hin zu Fotos meiner Expartner. Letzteres ist übrigens der Grund, warum ich nicht einfach Georg 2007 die Ablage habe machen lassen, obwohl er es mir angeboten hat. Also, alles, was recht ist, ein bisschen Anstand muss schon sein.

Hin und wieder allerdings haben auch gemeinsame Papiere von Georg und mir ihren Weg in diese Ablage-Boxen gefunden. Keine offiziellen Dokumente, aber Dinge, für die wir anfangs einfach keinen eigenen Ordner besaßen. Zum Beispiel die kilometerlangen Flehbriefe, die ich Georg während des Berufsschulunterrichts geschrieben habe, um ihn dazu zu bewegen, zwei Stunden früher zu gehen und in den Botanischen Garten zu fahren. *hust* (Nicht etwa, weil ich die Berufsschule nicht mochte, ich mochte sie sehr. Aber es gab so Fächer, in denen wir einfach NICHTS mitnehmen konnten aus dem Unterricht; wir haben dann tatsächlich oft zu zweit im Botanischen Garten gelernt, was effektiver war.) Oder trollige Aushänge, die wir im Ausbildungsbetrieb angefertigt und dann wirklich auch aufgehängt haben.

Und über einen solchen Aushang haben wir uns eben vor circa zwei Wochen im Bett vor dem Schlafen unterhalten. (Ja, wir wissen, dass unser Blog erfolgreicher wäre, wenn wir euch was über unser Sexleben erzählen würden. Ihr müsst euch aber leider mit Geschichten wie diesen zufriedengeben.) Georg grübelte darüber, wo dieser Aushang (bzw. eine Kopie davon) heute sein könnte, da er sich nicht in dem Sammelbuch befindet, das wir zu einem späteren Zeitpunkt der Ausbildung für solche Sachen angelegt haben – und ich sagte, dass die Kopie, WENN wir sie noch haben, eigentlich nur »in der Ablage« sein könne.

Daraufhin fingen wir beide an, zu lachen, aber das tun wir bei solchen nächtlichen Gesprächen oft und ist für sich stehend noch kein Grund zur Besorgnis. Gefährlich wurde es erst dann, als ich mir die unfassbare Absurdität vor Augen führte, dass ich als gelernte Bürokauffrau insgesamt fünfmal mit SECHS ÜBERVOLLEN ABLAGE-BOXEN umgezogen bin und das ganze Zeug, so wie es eben ist, Mal um Mal in Kartons gepackt und später wieder ausgepackt habe. Und Scheiße, ich KONNTE nicht mehr. Ich hatte irgendwann den ultimativen Lachkrampf, und nachdem Georg zum etwa fünften Mal gesagt hatte, dass ich mein Bedarfsmedikament nehmen soll, bin ich zumindest mal aufgestanden und in der Wohnung umhergelaufen, um wenigstens mal andere Bilder zu sehen als die in meinem Kopf. (Noch dazu befindet sich die Ablage derzeit im Schrank links neben meinem Bett. *hust*)

Irgendwann ging es dann wieder.

Und irgendwann mache ich auch diese Ablage.

Vielleicht.

Womöglich versteht ihr jetzt besser, WIE sehr ich Papierkram hasse. Ich mache Georgs und meine gemeinsame Ablage heute sehr zuverlässig, weil ich es MUSS. Weil sonst auch für Georg Schwierigkeiten entstehen würden, nicht nur für mich. Aber wegen einem oder zwei Euro pro Monat tue ich mir den zugehörigen Papierkram fürs Selfpublishing nicht weiter an. Es wird ja auch keine weiteren selbstverlegten Bücher mehr von mir geben, die für halbwegs lohnende Einnahmen auf diesem Weg sorgen könnten. Das ist etwas, das ich ehrlich nicht mehr leisten kann, dafür habe ich absolut keine Energie mehr übrig. In sauberen Schlussstrichen bin ich eben noch besser als heute im Papierkram.