Freitag, 19. August 2016

Selbst-bewusst-sein

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Selbst-bewusst-sein ist das Thema Nummer 12 des Blogideekastens, und eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass mir dazu irgendetwas Neues einfallen würde, denn ich habe hier und hier bereits viel über mich als Mensch und Autorin erzählt. Heute Vormittag ist mir aber spontan doch noch etwas zum Thema eingefallen, und das kam so:

Durch unsere Bilder und Erzählungen in diesem August wisst ihr ja, dass es in unserem »Garten« (es sind eher zwei Rasenstreifen entlang einer Kieseinfahrt) einen Brombeerstrauch gibt. Seit die ersten Beeren richtig reif waren, können wir circa jeden zweiten Tag eine Schüssel davon ernten; meist entstehen daraus Milchshakes oder Säfte. Allmählich muss ich aber etwas weiter ins Gebüsch, um die Brombeeren zu pflücken, weshalb ich mir Mitte der Woche ein T-Shirt mit Brombeerflecken eingesaut habe.

Heute hatten wir einige Erledigungen zu machen, unter anderem mussten wir auch in die Bank. Danach wollten wir aber auch noch Brombeeren holen, und wegen der heißen Temperatur wollten wir möglichst auch alles in einem Rutsch erledigen (wir erreichen unseren eigenen Garten mit dem Rollstuhl leider nur, indem wir ein Stück um den Block gehen). Da ich mir nicht noch ein zweites T-Shirt versauen wollte, habe ich das fleckige noch mal angezogen, das noch im Schlafzimmer lag, damit ich nicht vergesse, es vor dem Waschen mit Fleckenentferner zu behandeln. Damit bin ich dann raus- und auch in die Bank gegangen – es gab ein paar schräge Blicke, war aber einfach das kleinere Übel.

Und das ist irgendwie ein perfektes Beispiel dafür, wie ich als Mensch ticke: Ich tue, was ich für sinnvoll und richtig halte, schütze dabei das, was mir wichtig ist (in diesem Fall weitere Oberteile; ich habe nicht arg viele Klamotten), und wenn ich den Sinn dahinter sehe und davon überzeugt bin, ist es mir egal, ob andere Menschen mich deshalb negativ beurteilen oder belächeln.

Ich bin kein Mensch, der sich besonders toll findet. Ich empfinde keine echte Selbstliebe; ich würde mich, würde ich mich treffen, vermutlich nicht mal näher kennenlernen wollen. Aber ich bin ein Mensch, der sich selbst vertraut. Vor über einem Jahr habe ich das hier getwittert:


Und das ist wahr.

Die Geschichte mit den Brombeeren kann man zum Beispiel auch auf die »Löwenherzen 2580« übertragen. Ich habe mir lange Zeit gelassen mit der Überlegung, ob ich daraus noch einmal ein Buch machen soll/will. Und meine Entscheidung dafür fußt tatsächlich auf dem Interesse von vier Einzelpersonen, die mich seit Jahren treu lesen. An eine zusätzliche Leserschaft für dieses Buch (abseits von Angehörigen), die dann wirklich, wirklich langfristig Interesse an dem Projekt hat, glaube ich nicht, und viele andere Autoren würden sich vermutlich ziemlich darüber amüsieren, dass ich das jetzt ernsthaft durchziehe. Aber ich pflege auch hier wieder nur, was mir wichtig ist: meine Charaktere und die wenigen genreübergreifend treuen Leser, die ich habe. Und ich weiß, dass ich mich in den Augen einiger lächerlich machen werde mit diesem Projekt, aber das spielt keine Rolle für mich, weil ich meinen Sinn dahinter kenne.

Ich könnte mein ganzes Leben auf Entscheidungen dieser Art abklopfen und würde in jedem meiner diesbezüglich bewussten Lebensjahre ein paar davon finden. Allein schon Georgs und meine Beziehung ist das Ergebnis einer solchen gemeinsamen Entscheidung. Wie viele Menschen uns zu Anfang belächelt oder gar offen angefeindet haben, ist für uns noch heute unfassbar. Und ich glaube, dass genau das Selbstbewusstsein ist: zu wissen, wofür man selbst steht und daran festzuhalten, ohne die Meinung von Menschen zu beachten, die einem nichts Gutes wollen.

»Mangelndes Selbstbewusstsein«, der Ausdruck bezieht sich meist auf Personen, die sich viele Gedanken darüber machen, was andere von ihnen halten. Ist der Ausschnitt zu tief, der Körper zu dick, das Hemd zu rosa für einen Mann? Aber das alles muss ja irgendwo einen Ursprung haben, und entgegen so mancher Meinung ist Selbstbewusstsein für mich kein Synonym für »sich selbst ganz toll finden«. Selbstbewusstsein ist nicht mit Narzissmus gleichzusetzen. Es ist das Ergebnis dessen, sich zu kennen, für sich Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

Wenn ich weiß, ich tue das (für mich) Richtige, bin ich weniger beeinflussbar von außen. Dann brauche ich auch nicht darüber zu jammern, dass meine Familie, mein Freundeskreis oder gar Fremde mich ausbremsen – weil ich mich nicht von ihnen ausbremsen lasse. Dann bin ich allerdings auch allein für meine Entscheidungen verantwortlich und habe keine böse Außenwelt mehr, auf die ich meine Verfehlungen schieben kann. Je besser ich mich aber selbst kenne, desto seltener werde ich auf bewusster Ebene etwas tun, mit dem ich mir ernsthaft schade. Ein Mensch, der sich seiner selbst bewusst ist, wird natürlich nicht automatisch immun gegen Angriffe von außen, und er wird auch nicht immer nur lauter richtige Entscheidungen fällen. Das wäre übermenschlich. Aber er wird lernen, dass die Meinung anderer über das eigene Handeln (zumindest im privaten Bereich) in den seltensten aller Fälle eine Rolle spielt – und das ist doch schon mal ein riesengroßer Erfolg.

Ich denke, ich bin tatsächlich ein selbst-bewusster Mensch. Ich bin nicht klassisch schön, ich bin nicht übermäßig intelligent, ich kann auch keine Karriere vorweisen – aber ich weiß, wofür ich stehe.

Kommentare:

  1. Ich find den Eintrag richtig toll. <3 Ich hab ganz ähnliche Vorstellung dazu was es bedeutet, selbst-bewusst zu sein und fand es schön deine Gedanken dazu zu lesen.

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