Montag, 25. Juli 2016

Was ist ein Notfall?

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Vor nun elf Tagen ist unsere Spülmaschine kaputtgegangen. Sie pumpt noch Wasser nach innen, selbiges dann aber innerhalb von wenigen Minuten wieder ab. Wir haben sie 2009 gekauft, sie war nicht teuer, und es besteht kein Grund, sie als Schrott zu bezeichnen – länger hält heute kaum noch ein Elektrogerät, so zumindest unsere Erfahrung.

Wir haben natürlich ein bisschen Erspartes für Notfälle und sonstige nötige Ausgaben. Sonstige nötige Ausgaben, das sind zum Beispiel neue Schuhe, wenn die Sohlen der alten weitgehend abgewetzt sind, oder, seit ich Selfpublisherin bin, auch Veröffentlichungskosten. Ein Notfall wäre es, wenn unsere Waschmaschine kaputtginge – ist auch vor gar nicht allzu langer Zeit passiert, und die haben wir selbstredend umgehend mit diesem Geld ersetzt.

Aber eine Spülmaschine? Kann man eine kaputte Spülmaschine als Notfall bezeichnen, sollte man für ihren Ersatz dieses Ersparte antasten?

Ein Notfall, das wäre beispielsweise auch folgende (derzeit zum Glück nicht anstehende!) Situation für uns: Georg muss für einen längeren Zeitraum ins Krankenhaus. Die Krankenkasse streicht daraufhin nach 28 Tagen unsere Pflegegeldzahlungen, da ich ihn nun ja nicht mehr selbst häuslich pflege. Ich habe nach kurzer Zeit kein Geld mehr, um unsere Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen, und müsste mich an das Jobcenter wenden. (Über das ich bis vor einem Jahr krankenversichert war, was ich aus verschiedenen komplexen Gründen jetzt nicht mehr bin. [Uh, und ratet mal, wer bislang schon wieder keine Verlagsabrechnung fürs erste Halbjahr 2016 bekommen hat.]) Das Jobcenter ist in dem Fall zwar verpflichtet, mich erneut zu versichern, allerdings bin ich durch den Umstand, dass Georg im Krankenhaus ist, meinerseits verpflichtet, in dieser Zeit in Vollzeit zu arbeiten. Da mich keiner einstellt, wenn ich ehrlich angebe, dass ich nach Georgs KH-Aufenthalt sofort wieder häusliche Pflege mache, steckt das Jobcenter mich in eine unsinnige Vollzeitmaßnahme. Ungeachtet der Tatsache, dass Georg dann niemanden hat, der täglich für einen längeren Zeitraum zu ihm ins KH kommt und Aufgaben übernimmt, die das KH-Personal unserer bisherigen Erfahrung nach in der Regel schleifen lässt. Und wir wissen: Wirklich tiefergreifend kümmern würde es kaum jemanden. Zumindest nicht die Art von Kümmern, die über ein verbales »Das tut mir leid für Sie/euch« hinausgeht.

Das ist kein Fernsehdrama, das sind deutsche Bürokratie und menschliche Gleichgültigkeit. Und DAS wäre für uns ein tatsächlicher Notfall, einer, in dem gar nicht darüber nachgedacht werden muss, ob das Notfallgeld dafür eingesetzt wird oder nicht. Und so etwas muss man im Hinterkopf haben, wenn man in unserer Lebenssituation ist.

Nach elf Tagen sagen wir dennoch: Ja, auch die kaputte Spülmaschine rechtfertigt einen Zugriff auf das Geld. Ein existenzieller Notfall liegt natürlich nicht vor, aber klar ist, dass bei den momentanen Temperaturen täglich gespült werden muss. Sammeln, bis eine große Menge Geschirr auf einmal gespült werden kann, ist geruchstechnisch nicht drin (und auch »nur mal kurz vorher ausspülen und dann sammeln« verbraucht einiges an Wasser). Das bedeutet, wir verbrauchen gerade wesentlich mehr Wasser als mit (unserer recht sparsamen) Spülmaschine, und je länger dieser Zustand anhält, desto höher wird auch unsere Wasserpauschale fürs kommende Jahr ausfallen. Das sind Dauerkosten, die wir dann tragen müssen. Für Normalos vielleicht keine nennenswerte Erhöhung. Für Menschen wie uns schon.

Letztlich sind wir auch zu sehr »Es kann jeden Tag vorbei sein«-Menschen, um darauf zu pochen, dass das Geld nicht angetastet werden darf, weil eines Tages ein wesentlich größerer Notfall eintreten könnte. Der Preis der neuen Spülmaschine entspricht unseren Krankenversicherungskosten für knapp drei Monate. Das ist ein günstiges (aber sparsames) Modell und trotzdem krass. Aber derzeit kommen wir mit unserem Winzbudget ganz passabel zurecht, da wir ohnehin extrem sparsam sind, und das Jetzt ist uns wichtiger als das Vielleicht-eines-Tages.

Kommentare:

  1. Ähm. Wir haben gerade versucht, einen einzelnen Kommentar zu löschen, und dabei versehentlich alle gelöscht. Ähm!

    Verzeihung. XD

    Wir geben uns jetzt einfach gegenseitig die Schuld. :'D

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    1. Okay, inzwischen sind wir uns zumindest sicher, woran es lag. *hust*

      Kommt (hoffentlich) nicht wieder vor. <3

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  2. Hey. :)

    Also ich finde es in dem Fall echt legitim, das Geld auszugeben. Schließlich sollt ihr euch auch wohl fühlen und du nicht ständig durch spülen (und zu viel Wasser verbrauchen und an die steigenden Kosten denken) genervt sein.

    Eure Einstellung mag ich übrigens. Dieses nicht an eines Tages denken sondern im Hier und Jetzt leben. Das ist etwas, das ich auch für mich möchte.

    Wie ärgerlich, das mit den gelöschten Kommentaren! Woran lag es denn?

    <3

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    1. Huhu. :)

      Das Spülen selber wäre noch iiirgendwie okay, aber das mit dem Wasser - nee, dann lieber so. :)

      Wir glauben irgendwie einfach, dass das der einzige Weg ist. :)

      Es lag daran, dass die anderen Kommentare unter dem einen standen und nicht extra - so gingen die dann mit verloren. *hust* Na ja, man lernt wortwörtlich nie aus. :D

      <3

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    2. Gut, dass das Rätsel noch gelöst ist. ;)

      Im Endeffekt ist es das vermutlich auch. Und zumindest in Teilen praktiziere ich das ja auch so. An später denken und sich im Hier und Jetzt dann total einschränken, bringt es einfach nicht.

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