Mittwoch, 2. März 2016

Kalendergedichte | Vaterlyrik

GD

Wie ich im Eintrag Erste Schreibversuche und in der WIR bereits erzählt habe, habe ich erst im Erwachsenenalter damit begonnen, vorrangig Lyrik zu verfassen. Eigentlich ist es seltsam, dass mir diese Idee nicht viel früher und vollständig von allein kam, denn: Auch mein Vater hat relativ oft Gedichte über ein bestimmtes Thema geschrieben. Ein Zyklus namens Kalendergedichte hat sich mit den zwölf Monaten und dem gefühlt viel zu schnellen Voranschreiten der Zeit befasst.

Der Zyklus beginnt mit einem »Intro« namens Der Tag beginnt, der Tag zerrinnt. Dieses Motto greift dann auf das gesamte Jahr über: Ein Jahr beginnt, ein Jahr zerrinnt… Es sind schlichte Verse, welche die typischen Themen der jeweiligen Monate aufgreifen; stilistisch erkenne ich mich da zum Beispiel in meinem letzten Gedicht Zeitenumbruch wieder, das nun auch schon wieder ein paar Monate alt ist und vielleicht mal Gesellschaft von einem neuen bekommen sollte.

Leider ist mein Vater bereits in meiner Kindheit verstorben. Ich glaube, er würde sich sehr freuen, wenn er wüsste, wie sehr mich diese Gedichte ansprechen; deshalb möchte ich sie nun mit unseren Lesern teilen. Ich werde alles so belassen, wie es in den Originalen ist, also nicht aus der alten die neue Rechtschreibung machen.

Die ersten drei Monatsgedichte – Januar, Februar, März – werde ich nach dem Intro alle heute einstellen. Die kommenden Gedichte wird es dann jeweils im entsprechenden Monat zu lesen geben, möglichst am Anfang des Monats.

Viel Spaß! :-)


Der Tag beginnt, der Tag zerrinnt.

Wovon man singt,
worum man ringt,
ob es gelingt,
der Tag es bringt!

Wie der Wind so geschwind,
geschwind wie der Wind:
Ein Tag beginnt,
ein Tag zerrinnt...

Wieder ist ein Tag vergangen,
scheinbar über Nacht.
Fehler, die wir da begangen,
sind bereits gemacht.
Manches läßt sich korrigieren,
and’res wohl nicht sehr.
Manches muß man neu probieren
und fällt dieses noch so schwer.
Doch soll der Blick zur Tageswende
gerichtet sein nach vorn:
»Erfolgreich sei Verlauf und Ende,
also Gute Nacht bis mor(g)n!«

Ein Tag zerrinnt,
ein Tag beginnt,
wie der Wind,
so geschwind.

Nikolaus S.


Ein Jahr beginnt, ein Jahr zerrinnt...

Ein Jahr beginnt,
ein Jahr zerrinnt,
geschwind wie der Wind,
wie der Wind so geschwind.

Nikolaus S.


Januar – Hartung

Winterfreuden

Mit Glücksbringern zu Neujahr
beginnt der Monat Januar.
Schneeball, Schlittschuh, Eis und Wind,
Handschuh, Mütze, Schal fürs Kind.
Rutschen, rodeln, Schneemann bauen,
behaglich aus dem Fenster schauen.
Den Vögeln geht das Futter aus,
sie kommen dann zum Futterhaus.
Am meisten lieben Kinder
im Januar – den Winter!

Nikolaus S.


Februar – Hornung

Winteraustreiben

Eisblumen und Schneekristalle
schmelzen und verschwinden alle.
Schneeglöckchen läuten zeitig ein:
Es soll nicht mehr Winter sein!
In bunten Masken, groß und klein,
schlüpfen Jung und Alt hinein,
um sich gegen Frost zu wehren
und den Winter auszukehren.
Auch ein kleiner gelber Krokus
sagt dem Winter: Bald ist Schluß!

Nikolaus S.


März – Lenzung

Frühlingserwarten –
Frühlingserwachen


Die Felder werden gepflügt, dann grün;
im Wald schon Märzenbecher blühn.
Der Star ist bald zurückgekehrt
und sich um einen Nistplatz wehrt.
Die Pflanzenknospen warten auch
in Park, Flur und am Gartenstrauch
auf etwas wärmre Tage noch.
Dann werden einmal alle doch
beginnen, aufzuspringen
und den Frühling endlich bringen.

Nikolaus S.

Kommentare:

  1. Hallo Georg,

    die Gedichte von Deinem Vater sind wirklich schön. Da freue ich mich schon auf den April.
    LG
    Daniela

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    1. Liebe Daniela,

      ich danke dir, das freut mich sehr! :-)

      Liebe Grüße
      Georg

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  2. Schöne Gedichte <3
    Und jetzt so lang warten o.o :D <3

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    1. Danke, das würde ihn freuen! <3

      Und das geht doch viel schneller, als man immer denkt. :D <3

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