Dienstag, 16. Februar 2016

Zwischen leblosen Vögeln und Faltern

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Zur Feier des Tages (wir feiern, dass Georg sich bislang nicht bei mir angesteckt hat *hust*) geht es heute endlich weiter mit der Lesezeichen-Aktion. Im heutigen Always yours-Post geht es unter anderem um die Parallelen zwischen Codewort: Puls und Bittersüß ist süß genug – und weil ich mir ganz, ganz sicher bin, dass die diesmalige Lesezeichen-Besitzerin ihr Lesezeichen auch ohne jede verbale Beschreibung als zu ihr gehörend erkennen würde, drehe ich heute alles einmal um, starte mit den Lesezeichen-Fotos und liefere dann erst Erklärungen zum Lesezeichen, die angekündigten Geschichtenhintergründe und die Vorstellung der Person:

So sieht dein Lesezeichen aus:





Wer Bittersüß ist süß genug gelesen hat, kann die Elemente auf dem Lesezeichen wahrscheinlich problemlos zuordnen (und weiß auch, dass »Byrds« kein Schreibfehler ist *gg*). Für alle, die die Geschichte nicht kennen, hier die Kurzbeschreibung:

Der Außenseiter Albert Levi ist vierzehn Jahre alt, als er den ein Jahr älteren Youki kennenlernt. Youki heißt in Wahrheit Kizuki Kawabata, wurde seit frühester Kindheit gemobbt und ist alles, was Albert will: ein Freund; sein bester Freund, der ihn braucht. Mit Youki kann Albert alles teilen: die Einsamkeit, die Leidenschaft für morbide Fotografie, das Anderssein. In krankhaft schnellem Tempo entspinnt sich eine innige Freundschaft zwischen den verzweifelten Jungen, die in einer geheimen homosexuellen Beziehung gipfelt. Doch Youkis Andersartigkeit greift tiefer, als Albert es nachvollziehen kann. Der Halbjapaner trägt schwer an einem Geheimnis, das Alberts Leben in jedweder Hinsicht in ungeahnte Bahnen treibt – und ihn im Alter von achtzehn Jahren ins Gefängnis bringt.

Die erste Geschichte in Romanlänge, die ich jemals geschrieben habe. Inzwischen nicht mehr auf FanFiktion.de zu lesen, dafür aber noch in Poolys Kunst- und Schreibforum, wobei ich auch da nicht ganz sicher bin, ob das langfristig so bleiben wird. Auf Wunsch gibt es die Geschichte aber gerne bei mir – versehen mit der dicken, fetten Warnung, dass dieser uralte Roman qualitativ nicht mit meinen aktuellen Sachen vergleichbar ist.

Der junge Mann auf dem Lesezeichen ist also Youki – konkreter gesagt, auf jeder Lesezeichen-Seite befindet sich eines von Youkis zwei Gesichtern: einmal das ausdruckslose, fast steinerne, das für die Außenwelt reserviert ist, und einmal das lebendigere, lächelnde, teils auch extrem verletzliche, welches Albert nach und nach kennenlernt. Verwendet habe ich hierfür eine Farbkopie – ich würde niemals zwei Zeichnungen mitten im Gesicht zerschnippeln. Ausschneiden ja, aber nicht mittendurch.

Und hier haben wir auch schon die erste Parallele zu Codewort: Puls, die mir neulich aufgefallen ist und nicht bewusst eingebaut wurde: Auch Douglas hat zwei Gesichter. Nun hat natürlich jeder Mensch mehrere Facetten und tritt nicht jedem gegenüber gleich auf. Aber was ich hiermit meine, ist mehr: Douglas hat, ähnlich wie Youki, eine Art und Weise, sich zu präsentieren, mit der er Menschen auf Abstand hält. Er ist der festen Überzeugung, eine tiefere Beziehung zu ihm lohnt sich nicht, und dass er auf dieser Ebene nichts mehr zu geben hat, seit … das wäre ein Spoiler. Ganz anders als Youki ist Douglas aber sehr ehrlich zu anderen, die ihm näherkommen wollen. Seine Fassade ist sehr viel durchdringlicher, und sein Sarkasmus ist nicht ausschließlich ein Schutzwall, sondern auch einfach Teil seines Humors. Nichtsdestotrotz: Youki und Douglas haben beide aus verschiedenen Gründen beschlossen, dass sie ohne die Welt besser dran sind, wie die Welt ohne sie besser dran ist, und strahlen das auch aus.

Die nächste Parallele ist die Tatsache, dass sowohl in Bittersüß ist süß genug als auch in Codewort: Puls ein Mensch auf einem Dachboden den Tod findet, der elementar wichtig für den Ich-Erzähler war. Auf einem Dachboden, den der jeweilige Ich-Erzähler ansonsten nutzt (oder genutzt hat), um eine japanische Sportart zu praktizieren. Woher die Parallele mit der Sportart kommt, kann ich leider gar nicht erklären – auch das ist zufällig passiert, und ich persönlich wäre viel zu faul für Kendō (oder gar den richtigen japanischen Schwertkampf), vor allem, wenn ich dazu erst die Treppen/Leiter zu einem Dachboden erklimmen müsste. Der Tod auf dem Dachboden hat allerdings tatsächlich eine persönliche Komponente. Zum Glück ist niemand, den ich kenne, je auf einem Dachboden gestorben, aber mein älterer Bruder hat sich, als ich im Kleinkindalter war und er mich mit auf unseren Dachboden genommen hat, einmal für nach Kleinkindmaßstäben SEHR lange Zeit tot gestellt. Das war ein Erlebnis, das mich als Kind lange verfolgt hat und das ich seither mit unserem damaligen Dachboden verbinde.

Albert und Youki finden über morbide Kunst einen tiefen Zugang zueinander. Albert sammelt seit seiner Kindheit tote Falter (er tötet sie niemals selbst) und pinnt sie an seine Pinnwand, Youki ist ein glühender Verehrer des japanischen Fotografen Shigemaru Katô, dessen Markenzeichen es ist, dass auf jedem seiner Fotos an irgendeiner Stelle ein toter Vogel zu sehen ist. Diese Motive, die Falter und die Vögel, mussten daher einfach auch auf das Lesezeichen, auch wenn der verwendete Falter, der aus einer Zeitschrift meiner Mutter stammt, insgesamt eher vital wirkt. Byrds of Prodigy ist ein Bildband Katôs, der sich erstmals ausschließlich den toten Vögeln widmet, statt sie als Beiwerk zu verwenden. Die Schreibweise Byrds statt Birds hat der Künstler bewusst gewählt; warum, hat er mir nicht verraten (er gehört allerdings auch gar nicht zu den Charakteren, die mich jemals persönlich besucht haben; vielleicht würde er es mir ja sagen, wenn ich ihn herzitieren würde. Aber he, nein, hier ist es schon voll genug).

Verziert habe ich das Ganze dann einmal mehr mit Teilen meiner rosa Lederkette, die ich nicht mehr tragen konnte, da einige Anhänger schon ganz rostig waren. Aber auch hier passen sie farblich hübsch dazu, finde ich. Also, die guten, nicht die rostigen, versteht sich.

Alles in allem kann man sagen, dass der Tod (wie auch der bloße Gedanke an den Tod) sowohl in Bittersüß ist süß genug als auch in Codewort: Puls eine leise Konstante bildet, die niemals gänzlich verschwindet. Falls euch noch weitere Parallelen auffallen, an die ich nicht gedacht habe – immer sehr gern her damit!

So, und nun habe ich die Lesezeichen-Erklärung und die Hintergründe irgendwie verflochten – mal was anderes. :)

Und die Besitzerin?

Du …

• hast Bittersüß ist süß genug wahrscheinlich öfter gelesen als jeder andere Mensch auf der Welt, einschließlich Georg und mir.
• hast mir eine lange Liste mit Fragen zur Geschichte geschickt, auf die ich erst nach gefühlt einem halben Jahrhundert geantwortet habe. *hust* Darin hast du nicht »nur« die Charaktere, sondern sogar Olav, die Schildkröte bedacht, oder Details wie Per-Gunnars Schlafmütze – unfassbar!
• hast mich sogar gefragt, ob es die Geschichte eines Tages als Buch geben wird. Ich glaube nach wie vor, dass sie dafür nicht gut genug ist, aber ganz vielleicht lasse ich irgendwann zumindest ein paar Exemplare »für nur so« drucken.
• bist selbst Autorin und hast vor einigen Jahren eine Harry Potter-FanFiction geschrieben, in der George an Fred und seinen Tod denkt, die ich immer wieder lese, obwohl ich Harry Potter selbst nie zu Ende gelesen habe. Sie ist so schön, sie ist so traurig, lest sie alle, wenn ihr die Weasley-Zwillinge liebt, okay? Sie heißt und was wäre wenn und ist auf FanFiktion.de bei den HP-FFs zu finden.
• bist ein großer Fan von Das Schicksal ist ein mieser Verräter.
• hast einen roten Kater.
• hast Naturlocken und siehst mit geglätteten Haaren irgendwie wie ein ganz anderer Mensch aus, finde ich, und WTF, das ist keine objektive Beschreibung?
• bekommst Panik, wenn du Wasser ins Gesicht kriegst, selbst unter der Dusche.
• hast gestern gesagt bzw. geschrieben, du stalkst täglich diesen Blog, also findest du dein Lesezeichen bestimmt schnell. :D
• musst mir dann erklären, wie das mit der Post funktioniert, also ob ich da irgendwas beachten muss, außer das Land draufzuschreiben. (Äh?)

Okay, bevor das jetzt ausufert (ich schiebe das aufs Fieber): Bitte melden! ♥

Kommentare:

  1. ASDFJKLÖ.

    Ich melde mich hiermit sehr unverfroren und weiß eigentlich gar nicht, was ich sagen soll. Vielen lieben Dank für diese Aktion, die sicher vielen Menschen große Freude bereitet und noch größeren Dank dafür, dass auch ich Teil dieser Aktion bin, obwohl wir uns privat gar nicht so gut kennen. Es hat mich gerade wirklich sehr, sehr gefreut, tatsächlich ein Lesezeichen zu bekommen! Und noch dazu zu "Bittersüß ist süß genug"! (Welches ich mir endlich ausdrucken sollte, möchte mir jemand etwas Zeit leihen?)

    Und es sieht wirklich sehr, sehr schön ist. Mir gefallen Youkis zwei Gesichter unglaublich gut und die Schmetterlinge und Vögel und - ach, ich schwärme. Es ist wirklich sehr schön und ich finde es total schön, dass ich jetzt ein Lesezeichen zu meiner Lieblingsgeschichte von dir bekommen werde. Es rettet meinen miesen Arbeitstag! ♥

    Ich fand auch deine Beschreibung von mir echt süß. Ich war ja gespannt, was du dir da so zusammenreimen würdest, aber du hast es gut hinbekommen. Ich wette, du hast meinen Twitter-Account gestalkt. :P Ich fühle mich sehr sehr geehrt, dass du hier schreibst, dass du "und was wäre wenn" öfters liest - oh, ich finde das wunderschön, weil. Mein Autorenherz. Mir fehlen die Worte. ♥

    Und deswegen mache ich jetzt hier Schluss und hüpfe in dein Mail-Postfach. Ganz liebe Grüße und noch einmal ganz vielen lieben Dank für diese Aktion. Es ist wundervoll. :)

    Ines

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    1. \o/ Herz! <3

      Ich freu mich sehr, sehr, sehr, dass es dir so gut gefällt! <3 Und insgesamt, dass die Aktion so gut ankommt - so toll! :)

      Hihi, ich kenne ja die allermeisten Lesezeichen-Besitzer nicht persönlich - aber richtig persönliche Sachen würde ich auch gar nicht hier reinschreiben, es sollen schon Punkte sein, die man ohnehin im Netz finden kann, nicht dass noch jemand etwas hier über sich findet, was er so gar nicht dort stehen haben möchte oder so. :) Und klar stalke ich deinen Twitter-Account! :P

      Jaa, »und was wäre wenn« hab ich wirklich schon extrem oft gelesen - und irgendwie ist diese Geschichte der Grund, warum ich manchmal doch drauf und dran bin, HP zu Ende zu lesen. <3 Eines Tages mach ich das wahrscheinlich. :)

      Uuund eine Mail-Antwort hast du auch bereits. =)

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  2. Ich hoffe ja, dass es dabei geblieben ist, dass Georg sich nicht angesteckt hat, gehe aber bisher davon aus. ;)

    Hier muss ich zugeben, keine Ahnung gehabt zu haben, für wen das gute Stück bestimmt ist. Aber ich kann ja auch nicht alles wissen. *lach*

    <3

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