Freitag, 29. Januar 2016

Unabhängig denken, unabhängig sprechen

Blogideekasten-Thema 31: Unabhängigkeit

GD


Unabhängigkeit. Vieles, was ich aufgrund meiner Pflegebedürftigkeit zu diesem Thema ausführen könnte, habe ich bereits gebloggt. Kurz umrissen: Eine körperliche Unabhängigkeit besitze ich nicht mehr. Ich kann nicht selbstständig die Wohnung verlassen und noch nicht einmal von einem Raum in den anderen kommen, ich kann keinerlei handschriftliche Dokumente mehr verfassen und könnte damit nicht einmal selbstständig mein Testament schreiben, ich kann nicht mehr allein auf die Toilette gehen, mir kein Essen zubereiten, und ich darf noch nicht einmal mehr unbeaufsichtigt essen und trinken oder auch nur länger als wenige Minuten allein in einem Zimmer bleiben, da permanent die Gefahr besteht, dass ich mich (auch am eigenen Speichel) verschlucke und ersticke, da ich das Verschluckte nicht immer selbstständig aufhusten kann.

Das alles ist das Gegenteil von Unabhängigkeit, da gibt es nichts schönzureden, und ich gehöre auch nicht zu den Schönwetter-Menschen, die das versuchen würden. Unabhängig kann ich aber immerhin in meinen Gedanken und Überzeugungen sein. Das bedeutet beispielsweise, nicht auf die braune Scheiße reinzufallen, die derzeit in der Politik, der Bevölkerung und den Medien grassiert. Realistisch zu bleiben und zu differenzieren, zu widersprechen, wenn jemand im Bekanntenkreis rassistische Äußerungen von sich gibt oder Europa als »Scheiß-Idee« bezeichnet.

Wenn Europa auseinanderfällt, wenn die Nazis in Deutschland wieder Oberhand gewinnen (und Nazis sind für mich unter anderem Pegida, Pegida-Ableger, die AfD und Teile der CSU), wenn am Ende vielleicht noch tatsächlich Donald Trump Präsident der USA wird, halte ich einen weiteren großen Krieg auf der Welt für sehr wahrscheinlich. Und gerade die hilfebedürftigen Leute – jene, denen die Nazis einzureden versuchen, die Geflüchteten nähmen ihnen irgendetwas weg und müssten ferngehalten werden –, haben in diesem Fall verloren. Menschen wie ich haben im Falle eines Krieges verloren. Und zwar sehr viel mehr, als wir jemals durch Menschlichkeit gegenüber Notleidenden verlieren könnten.

Unabhängigkeit im Denken ist die einzige Form der Unabhängigkeit, die mir geblieben ist. Doch diese nehme ich wahr und spreche im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten darüber, und ich wünschte, das würden mehr Menschen tun.

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