Freitag, 22. Januar 2016

Lektorat: Georg und Alexandra Dichtler

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Wer Codewort: Puls liest, mich ansonsten aber nicht kennt, hat sich zu Beginn des Buches vermutlich über die Angabe »Lektorat: Georg und Alexandra Dichtler« im Impressum gewundert. Zu Recht, denn damit, ihr eigenes Werk zu lektorieren, sind Autoren in der Regel schlecht beraten.

Wer Codewort: Puls zu Ende gelesen hat und bei der Danksagung angekommen ist, erhält schon einen etwas konkreteren Einblick in die Art und Weise, wie das Buch von Georg und mir gemeinsam lektoriert wurde: Da Georg aufgrund seiner Erkrankung und Behinderung keine längeren Texte am PC mehr lesen kann, habe ich ihm die Geschichte mehrfach vorgelesen. Vom ersten bis zum letzten Kapitel. Manche Absätze haben wir in den letzten Monaten bis zu fünfzigmal durchgearbeitet.

Früher – von 2010 bis ca. Ende 2013 – war Georg mein klassischer Betaleser. Damals war er zwar bereits pflegebedürftig und auch schon in Pflegestufe III, seine neurologischen Einschränkungen waren zu dieser Zeit allerdings noch nicht so ausgeprägt wie heute. Am Computer lesen ging damals noch weitgehend problemlos, und er hat sich sehr gefreut, dieser Tätigkeit nachkommen zu können, da sie ihn geistig forderte, er sie aber bei starker Ermüdung (trat schon zu der Zeit nach etwa einer, spätestens nach zwei Stunden ein) selbstbestimmt unterbrechen konnte.

Georg war ein großartiger Betaleser. Gefundene Fehler und Unstimmigkeiten hat er mir immer direkt mündlich mitgeteilt und mir oft auch bei ihrer Behebung geholfen, und obwohl ich auch schon mit anderen Betas zusammengearbeitet und inzwischen sogar drei Lektorate (SGBAS, die Einhorn-Geschichten und Sein Artist) hinter mir habe, kann ich sagen: Niemand hat meine Texte je zuvor so gnadenlos auseinandergenommen wie Georg, und auch danach nie mehr. Nicht SO krass.

Bei der klassischen Tipp- und Rechtschreibfehlersuche kann Georg mir inzwischen leider nicht mehr helfen, so etwas sieht man schließlich nicht, wenn man einen Text vorgelesen bekommt. Und dennoch: In meinen bisherigen Lektoraten musste ich noch in keinem Text SO viel ändern, wie ich es während des persönlichen Vorlese-Lektorats mit Georg in Codewort: Puls getan habe.

Gestern bekam ich dann eine neue Rezension (zu finden hier und hier) des Romans. (Und überhaupt: Innerhalb einer knappen Woche habe ich zusammengezählt FÜNF Rezensionen auf Codewort: Puls und Sein Artist bekommen! Allesamt mit fünf Sternen und sehr ausführlich. Das finde ich unglaublich. Danke!) Und abgesehen davon, dass mich diese Rezension insgesamt umgehauen hat, hat mich besonders diese Aussage darin geflasht:

Nebenbei möchte ich noch etwas erwähnen: Self-Publishing ist teilweise nicht sonderlich angesehen und steht für Qualitätsminderung. Das ist hier allerdings absolut gar nicht der Fall! Mir ist nicht ein einziger Rechtschreib- oder Grammatikfehler untergekommen. Besser hätte ein Verlag dieses Buch nicht herausbringen können.

Und das ist … wow. Das hat Georg und mich unglaublich glücklich gemacht. DAS war es, was wir mit unserer monatelangen Arbeit an diesem Roman erreichen wollten. Er sollte qualitativ nicht schlechter sein als SGBAS und Sein Artist. (Klar, kein Buch ohne Fehler. Keines auf der Welt, vermutlich. Aber zumindest wollten wir auf gar keinen Fall offensichtliche Fehler jedweder Art in dem Text übersehen. Wir wollten uns selbst zeigen, dass wir das zusammen KÖNNEN. Und offenbar können wir es tatsächlich. Und auch meine zum Schluss doch sehr matschigen Augen scheinen ihren Fehler-such-Job gut gemacht zu haben.)

Mit Sicherheit wird es auch Leute geben, denen das Buch nicht gefällt. Ich warte eigentlich schon auf den ersten Verriss; ein so spezielles Buch ist im Grunde prädestiniert dafür. Aber da diese Rezension von einem Menschen kam, den ich erst seit wenigen Tagen via Twitter »kenne« und der noch dazu selbst schreibt und eine Verlagsveröffentlichung vorweisen kann, flasht sie mich wirklich total, ganz besonders eben auch die Aussage über die Qualität. Danke. Danke, danke, danke. (Gelernte Lektoren würden natürlich bestimmt noch Punkte finden, die man an dem Buch verbessern kann. Aber wir scheinen etwas abgeliefert zu haben, das Qualität BESITZT, und das allein macht uns wirklich, wirklich froh.)

Und mein ganz besonderer Dank geht dafür eben an Georg. Was wir da zusammen gemacht haben, war nicht nur vergleichbar mit einem Lektorat, es WAR ein Lektorat. Und deshalb steht im Impressum von Codewort: Puls »Lektorat: Georg und Alexandra Dichtler« – nichts anderes könnte dort stehen. Und es ist total schön, zu wissen, dass auch für Leser erkennbar ist, dass dieses Buch lektoriert wurde – wenn auch ganz anders, als es dem Standard entspricht.
 
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