Freitag, 27. November 2015

Prioritäten und Verluste

Blogideekasten-Thema 37: Verluste

AD

Prioritäten und Verluste – zwei Themen, die für mich im Kopf oftmals zusammengehören, zumindest zu weiten Teilen. Denn Entscheidungen zu treffen, bedeutet ja nicht ausschließlich, das zu gewinnen, wofür man sich entscheidet. Nein, man verliert zugleich auch das, wogegen man sich entschieden hat, und das auszuhalten, scheint vielen Menschen zunehmend schwerzufallen.

Im Post Gedanken zum Essen hat Georg davon berichtet, dass wir einen großen Teil des uns zur Verfügung stehenden Geldes für Lebensmittel ausgeben. Und dass dies das Ergebnis einer bewussten Entscheidung ist: Gute, gesunde, wohlschmeckende Lebensmittel sind uns meist wichtiger als Luxusgüter oder Statussymbole. Nach wie vor besitzt keiner von uns beiden ein Smartphone, nach wie vor kaufen wir uns nur neue Kleidung, wenn die vorhandene nicht mehr passt oder kaputt ist. Natürlich könnten wir darüber jammern und klagen, was wir uns alles nicht leisten können, und besonders den Verlust hervorheben, den Mangel dessen, wofür das Geld dann eben nicht mehr reicht. Aber wozu? Wir haben eine bewusste Entscheidung getroffen. Brauchen oder möchten wir etwas anderes dringender, müssen wir uns halt neu orientieren.

Eine ähnliche Entscheidung war es, Sein Artist als Printversion zu veröffentlichen. Der Satz und der Umschlag haben mich Geld gekostet, mit dem ich mir natürlich auch neue Herbstklamotten hätte kaufen können. Oder Kosmetika. Oder sonst irgendwas, was derzeit in ist. Brauche ich aber nicht. Bekleidung ist kein Wegwerfartikel für mich. Nichts, das ich im Alltag benötige, ist ein Wegwerfartikel für mich, von Dingen wie Klopapier, Taschentüchern etc. mal abgesehen. Ob ich die Entscheidung bereue, wird sich zeigen, wenn ich das erste gedruckte Exemplar in den Händen halte, denn bislang habe ich keine Erfahrungen mit dem Self-Publishing gedruckter Bücher. Falls mich das Ergebnis nicht überzeugt, werde ich mich natürlich total ärgern. Aber alles in allem habe ich mich dafür entschieden, das auszuprobieren, und es wäre Unsinn, die Dinge, die ich mir nun stattdessen nicht leisten kann, als Verlust/Mangel zu empfinden.

Das sind zwei sehr schlichte Beispiele aus unserem Alltag. Die Liste kann man aber beliebig erweitern. Und natürlich gibt es noch viele, viele andere Wege, das Verluste-Thema aufzubereiten und aufzuarbeiten. Sowohl Georg als auch ich haben bereits, als wir noch sehr jung waren, eine extrem wichtige Bezugsperson verloren, Georg seinen Vater und ich meine Tante Heidi, von der auch mein Beitrag zur Anthologie Tausend Tode schreiben handelt. Und bei diesen Todesfällen blieb es leider nicht, in der Zwischenzeit sind noch einige weitere Menschen (und auch Tiere, was teils ebenso schwer wog) verstorben, die uns viel bedeutet haben. Was das betrifft, möchten wir hier aber gar nicht so sehr ins Detail gehen im Moment. Diese Leute verdienen, sollten wir je hier ausführlicher über sie sprechen wollen, eigene Einträge, die sich dann tatsächlich ausschließlich mit der Erinnerung an sie befassen.

Andere Verlustarten, die wir beide kennen, sind zum Beispiel das Einschlafen alter Schul- oder Ausbildungsfreundschaften, bewusste, notwendige Kontaktabbrüche oder auch das Ende von Freundschaften, bei denen wir nie erfahren haben, was eigentlich das Problem war. Sprich, dass ein Mensch sich plötzlich einfach nicht mehr gemeldet hat, ansonsten aber durchaus (Online-)Aktivität gezeigt hat.

So etwas ist uns inzwischen insgesamt schon dreimal passiert, und beim bislang letzten Mal haben wir einvernehmlich beschlossen, dass wir diesmal gar nicht mehr nachhaken, was ist. Die ersten beiden Male haben wir uns ziemlich zum Horst gemacht, um herauszufinden, was mit der jeweiligen Person los ist, ob wir irgendwas Falsches gemacht oder gesagt haben, aber ehrlich – das brauchen wir nicht mehr. Wer sich ohne Angabe von Gründen nicht mehr meldet, weil ihm vielleicht irgendwas nicht gepasst hat, uns das aber nicht sagt, möchte es vermutlich so, und wir möchten dann inzwischen auch nicht mehr darüber nachdenken (müssen).

Um den Bogen zum Rest des Eintrags zu spannen: Auch das ist eine ganz bewusste Entscheidung, mit der wir nicht zu hadern versuchen. Ob etwas sich wie ein Gewinn oder ein Verlust anfühlt, hängt für mich im Rahmen des Bereichs, den man selbst beeinflussen kann, fast immer damit zusammen, ob man in der Lage ist, bewusste Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen. Und wenn man das Zu-ihnen-Stehen nicht mehr kann, die Entscheidung umzukehren, sofern das noch möglich ist, und es hinzunehmen, falls es eben nicht mehr möglich sein sollte.

Kommentare:

  1. Das ist so etwas, das ich nie verstehen werde - warum man anderen Menschen Vorwürfe macht, weil sie einen anderen Lebensentwurf haben. Ich meine, es ist doch euer gutes Recht, euer Geld lieber für Lebensmittel als für Smartphones auszugeben. (Ich hab mir auch nur eins gekauft, weil mein altes kaputtging und ein neues Nicht-Smartphone genausoviel gekostet hätte wie mein schlaues Teil)
    Und dass du lieber ein Buch herausbringst, als dir Klamotten zu kaufen... ist das doch deine Entscheidung? (Eine, die ich sehr bewunderswert finde, um das mal anzumerken)
    Denn... ich meine, wenn dann habt ihr ja selbst mit den Konsequenzen zu leben. Ihr stört ja niemand anderen damit.
    Das mit den eingeschlafenen Freundschaften kenne ich auch. Ich habe selbst nur ein eher geringes Problem damit, wenn die Freundschaft wirklich "einschläft". Das Problem ergibt sich erst, wenn die Person mir Vorwürfe macht, dass ich mich nie melden würde, selbst aber auch nicht zum Telefon oder zur Tastatur greift... da werde ich dann... unbegeistert.
    Wichtig ist eigentlich nur, dass ihr selber mit euren Entscheidungen glücklich werdet, oder? Und natürlich, dass ihr dabei niemand anderem schadet, aber davon gehe ich bei euch einfach nicht aus ;D

    Ahja, liebe Alex, ich hab dir eine Mail geschickt ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aww, Maiiiiiiiiiiiiiil! *_______* OMG, wie soll ich mich DA entscheiden? o.o <3

      In Bezug aufs Buch hab ich zum Glück noch keine komischen Reaktionen bekommen, das ist etwas, das bislang den Lebensmitteln vorbehalten ist - der Post bezog sich zum Glück nicht auf aktuelle Geschehnisse, das waren einfach ganz allgemeine Gedanken zum Thema Prioritäten und Verlust. Ich kriege wahnsinnig oft mit, wie Leute herumjaulen, weil sie den durch Entscheidungen hervorgerufenen Verlusten nachtrauern, dass mir dieses Thema einfach am leichtesten von der Hand ging. :)

      Das mit den eingeschlafenen Freundschaften sehe ich ganz ähnlich wie du. Es ist okay, wenn man sich von beiden Seiten aus nicht mehr wirklich was zu sagen hat, aber sobald Vorwürfe aufkommen, komm ich nicht mehr mit. Denn der, der aktuell was sagen oder wissen möchte, kann sich ja schließlich auch melden.

      Geschadet haben wir mit unseren Entscheidungen hoffentlich noch niemandem ernstlich - klar waren jene Menschen, zu denen wir bewusst den Kontakt abgebrochen haben, nicht begeistert, aber zuvor sind ja schließlich auch Sachen passiert, die das für uns notwendig gemacht haben. Und absichtlich verarscht haben wir bislang niemanden. :)

      Löschen
  2. Und noch mal hi. *g* <3
    (Heute ist Beziehungstat-Zeit, wie man sieht. *g*)

    Ich muss ja ehrlich zugeben, dass mir Entscheidungentreffen auch nicht immer leicht fällt. Wenn es eine gute und eine schlechte Option gibt, ist das natürlich einfach, aber wenn beide Möglichkeiten potentiell gut sind, sich aber ausschließen, kann das auch zum Staatsakt bei mir werden. Ich verstehe diese Menschen also.

    In Bezug auf eure Einstellung zu Lebensmitteln finde ich allerdings nicht schwieriges daran, ich würde mich ähnlich entscheiden. Für mich gibt es Dinge, die Priorität haben, z.B. Geld für Urlaube zu haben, natürlich gebe ich dann an anderer Stelle weniger aus (wann habe ich die letzte CD oder DVD oder sogar ein Printbuch oder Klamotten gekauft?). Solche Entscheidungen bei anderen dann anzukreiden ist schon daneben, das entscheidet nun mal einfach jeder selbst.

    Schwierig wäre es höchstens beim Zusammenleben, denn wenn man da völlig unterschiedliche Einstellungen hat, kann das schon zu Problemen führen, aber das ist ja dann auch wieder ein anderes Thema, wo man sich eben irgendwie einigen muss.

    EIngeschlafene/beendete Kontakte kenne/habe ich auch. Ich glaube, auch bei eurem letzten Fall hätte ich zumindest noch einmal nachgehakt, weil ich mir sonst Vorwürfe machen würde, vielleicht doch etwas dafür zu können. Aber wie man damit umgeht, ist natürlich auch jedem selbst überlassen und wenn es euch gut damit geht, ist es so richtig für euch.

    Puh, wie sich etwas anfühlt, finde ich nicht unbedingt leicht zu steuern und ich beneide Menschen, die das können. *g* Da habe ich einfach noch meine Hausaufgaben zu machen und solange es manchmal und bei wichtigen Dingen klappt, bin ich ja schon halbwegs zufrieden. *g*

    Dankeschön für den Einblick in eure Gedankenwelt zum Stichwort und noch mal liebste Grüße. *g* <3
    Jade

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *gggg*

      Mal von hinten nach vorne: Hmm, das mit dem Steuern - das ist eben genau das, was ich meinte. Dass man sich, wenn man sich für etwas bewusst entschieden hat, auch ganz bewusst darauf konzentrieren kann, statt der anderen Möglichkeit nachzutrauern. Das ist tatsächlich was, das man bewusst üben kann - von heute auf morgen geht das nicht, klar. Aber das Nachtrauern hilft einem ja hinterher auch nichts mehr, sodass ich das für eine wirklich sinnvolle und lohnende Sache halte. :)

      Zu dem Kontakt - nein, dazu waren wir nach unseren bisherigen Erfahrungen einfach nicht mehr bereit. Wir gehen davon aus, dass erwachsene Menschen sich melden und artikulieren können, wenn ihnen irgendetwas gegen den Strich geht, aber es gab keinen Streit oder dergleichen, und nachdem wir uns nun schon mehrfach zum Deppen gemacht hatten in solchen Situationen - uff, nein. Nicht noch einmal.

      Alles in allem muss aber einfach jeder selber wissen, was er tut, wie die meisten Posts hier ist auch dieser letztlich nur eine eigene Meinung. :)

      <3

      Löschen
    2. Oh je. Heute ist schon wieder Beziehungstat-Tag. *g* (Zungenbrecher. :D)

      Da hast du recht, das Nachtrauern verdirbt einem im Grunde nur die Freude an der Sache, für die man sich entschieden hat. Was dann richtig unpraktisch ist.

      Das stimmt natürlich auch wieder. Melden kann man sich und auch, wenn von technischer Seite aus vielleicht eine Mail verschluckt wurde (das hatte ich schon mehrfach), kann man dann zumindest mal nachfragen. Insofern ist das schon verständlich.

      Das stimmt. :) Jeder hat solche Dinge selbst zu entscheiden. Und für die eigene Meinung kund zu tun ist der eigene Blog ja auch schließlich da. :)

      <3

      Löschen
    3. Hihi. *gg* :D

      Genau das meinte ich. <3

      :) <3 (Hff, wie geistreich. :D)

      Löschen
    4. Es muss ja nicht immer geistreich sein. *g*

      <3

      Löschen