Mittwoch, 9. September 2015

Wortdiamant für graue Tage

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Liebe Menschen? Falls ihr noch auf der Suche nach dem perfekten Lesestoff für die kalten, grauen Herbsttage seid, habe ich eine Empfehlung für euch, die mich so sehr begeistert hat wie seit langem kein anderes Buch. Auch deshalb, weil ich seit Monaten in einem absoluten Lesetief gesteckt habe und dieses Buch sich beinahe zufällig (Pathos!) erst in meine Hände und dann in mein Herz gestohlen hat.

Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit NICHTS von all dem gelesen habe, was ich mir – besonders durch Poolys Kunst- und Schreibforum – vorgenommen hatte, fiel mir vor vier Tagen beim Abstauben Die Keime: Old Souls I von Julia Mayer in die Hände. Und ich begann zu lesen, wie beiläufig eigentlich, so: Ach, jetzt hab ich es in der Hand, dann schau ich endlich auch mal rein.

Seit heute bin ich fertig – und ich LIEBE dieses Buch, wie man gestern ab hier auf Twitter schon lesen konnte. Wenn ich etwas sehr liebe, schaltet mein Gehirn irgendwann wohl automatisch auf debil um, und Old Souls liebe ich schon jetzt mehr als sehr. Da ist es gut für mich, dass diese Dystopie acht Bände haben wird und ich Die Brut: Old Souls II bereits besitze.

Worum also geht es?

Amerika im Jahr 2074 – auf einer Erde, die der unseren einerseits gleicht, auf der andererseits aber völlig andere Voraussetzungen herrschen. In Julia Mayers Dystopie herrscht das Prinzip der Wiedergeburt, und zwar nicht als Glaubensinhalt, sondern als unumstößliche Tatsache. Seit einiger Zeit gibt es in diesem Kreislauf jedoch genau diese Wiederkehr nicht mehr, die Menschen sterben endgültig – und dafür verantwortlich gemacht werden jene Seelen, die sich auf der geringsten Stufe der Bewusstseinsleiter befinden: die Keime, die durch einen schwarzen Ring um die Iris leicht identifizierbar sind und nun hemmungslos gejagt und getötet werden, um den angeblich wertvolleren Seelen den Weg zur Wiederkehr wieder freizumachen.

Auch die junge Avery, einst bessergestellt und behütet aufgewachsen, ist so ein Keim und muss vor ihrer eigenen Familie fliehen. Begleitet wird sie dabei seit einiger Zeit von Skar, einem verschlossenen Mann mittleren Alters, der einen Traum hatte, welcher ihn zu Avery führte. Solche wegweisenden Träume sind wichtig für Keime wie Avery und Skar: Folgen sie ihnen, besteht für sie die Chance, mehr über ihre früheren Leben herauszufinden und so endlich zu Splittern zu werden, das heißt, die nächste, vermeintlich sichere Bewusstseinsstufe zu erreichen.

Averys und Skars Weg ist voller Gefahren, und während Avery sich nach Nähe und Zuneigung sehnt, ist Skar ein Mensch, der sich überwiegend abweisend und spöttisch ihr gegenüber gibt. Dennoch hält er an ihr fest, dennoch ist sie der einzige Mensch, den er langfristig erträgt – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, die in jenen hoffnungslosen Zeiten dem Alkohol oder diversen härteren Drogen verfallen, ist sie klar im Kopf und verliert ihr Ziel nie aus den Augen. Die beiden verbindet eine skurrile Mischung aus Abhängigkeit und Hassliebe, und in all der Hoffnungslosigkeit haben mich ihre Gespräche oft zum Schmunzeln gebracht.

Und ja, Hoffnungslosigkeit ist das vorherrschende Gefühl dieses Buches. Julia Mayers Dystopie ist hart, und sie beschränkt sich anders als viele bekannte Dystopien unserer Zeit nicht auf Teenager, was ich als extrem angenehm empfunden habe. Mayers Schreibstil enthält poetische Formulierungen und zugleich zutiefst abstoßende Beschreibungen von Dingen, die nun mal zutiefst abstoßend sind. Das gefällt mir sehr.

Am Ende ließ mich Die Keime verzaubert und verstört zugleich zurück. Wüsste ich nicht, dass die Geschichte noch weitergeht, wäre ich jetzt wohl ziemlich am Boden – so aber bin ich regelrecht euphorisch, noch weiterlesen zu können, und musste gestern meiner flirrenden Begeisterung unbedingt Ausdruck verleihen, indem ich Avery zeichnete, auch wenn das Bild ihr nicht wirklich gerecht werden kann:


Ich empfehle dieses Buch jedem, der außergewöhnliche Geschichten mag und nicht auf happy-pappy (danke, Jade, für dieses Wort *gg*) besteht, denn ein Wohlfühlbuch ist dieses definitiv nicht. Für mich ist es ein Wortdiamant für Tage, die so sind wie die vorherrschende Stimmung des Buches: grau. (Okay, bei uns scheint heute die Sonne, aber das war ein Notfall, ich MUSSTE ja schließlich weiterlesen, nachdem ich gestern schon fast fertiggeworden war.)

Und wisst ihr, was das Beste ist? Julia Mayer bietet Die Keime auf ihrem Blog vollkommen kostenlos als E-Book an, sowohl als ePub als auch als mobi. Hier geht’s zum Download, und vielleicht finden sich ja ein paar Menschen, die bald mit mir gemeinsam fangirlen wollen: Klick!

Kommentare:

  1. Huhu! <3

    Dankeschön für die tolle Rezension - so bekomme ich gleich noch mehr Lust, das Buch endlich zu lesen. Sobald ich mit Kernstaub durch bin, werde ich es mir vorknüpfen. :)

    Oooh, Fanart! <3 Da hat sich Julia bestimmt wahnsinnig gefreut und ich mag das Bild sehr, auch wenn ich noch keinen eigenen Eindruck von Avery habe. :)

    Liebste Grüße! <3
    Jade, die sich freut, dass sie erwähnt wurde und das Wort im Grunde auch nur weiter gegeben hat. *lach*

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  2. Aww, dann beide lesen! <3 Ich finde es wirklich, wirklich toll. <3

    Und jaa, Juls hat sich gefreut, was mich extrem erleichtert hat - ich fand es ja eigentlich fast etwas peinlich, gleich so abzudrehen. *gg*

    Liebe Grüße an euch beide; ich geh jetzt dann was auch nicht so happy-pappyges (?) überarbeiten. *gg* <3

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  3. @Alex: Ach, sowas ist nicht peinlich! Im Gegenteil. ;) Ein größeres Lob für den Autor gibt es doch gar nicht.
    Und glaub mir, das wird auf jeden Fall gelesen! Vielleicht am Poolys-Lesetag-Lesetag. *g*
    Viel Erfolg beim Überarbeiten! <3
    Und happy-pappyges passt schon so, denke ich. :D

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  4. @Jade: :D <3

    (Wieder große Geistreichigkeit ...)

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