Mittwoch, 23. September 2015

Erste Wege im Selfpublisher-Dschungel

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Die meisten mir bekannten Frauen würden, wenn sie eine Versicherungserstattung einer bereits bezahlten Rechnung bekämen, wahrscheinlich erst mal neue Herbstklamotten kaufen gehen. Ich … nicht. Stattdessen habe ich mir mit der Summe etwas geschenkt, was ich mir normalerweise nicht leisten könnte: ein Lektorat von Ka & Jott.

Hier habe ich ja schon erzählt, dass ich nach Schwester golden, Bruder aus Stein keine weiteren Geschichten aus dem Waidbronn-Kosmos mehr verlegen lassen, sondern in Bezug darauf lieber mal den Selfpublisher-Weg erkunden möchte. Und ich habe mich recht schnell entschieden, welches Projekt ich auf diese Reise mitnehmen will, auch wenn meine Wahl in Bezug auf die Verkäuflichkeit vermutlich die schlechteste ist, die ich treffen kann: Sein Artist.

Sein Artist ist eine Urban-Mystery-Novelle. Eine Novelle, die ich zuerst als Kurzroman bezeichnete, weil ihre Handlung theoretisch auch einen ganzen Roman füllen könnte. Einen ganzen Roman wollte ich für diese spezielle Geschichte aber nicht. Ich wollte Geschehnisse und Emotionen, die ich sonst auf mehrere hundert Seiten verteilen würde, so intensiv auf den Punkt bringen, dass die Geschichte auch in Kurzform wirkt. Deshalb erschien mir der Begriff Kurzroman anfangs als am passendsten. Durch die Zusammenarbeit mit Julia Kischkel von Ka & Jott bin ich aber zur Bezeichnung Novelle zurückgekehrt (über die ich natürlich auch schon nachgedacht hatte), weil diese eindeutiger ist und in Bezug auf die Länge der Geschichte keine falschen Erwartungen weckt. Sein Artist ist also eine Novelle mit etwas über 60 Seiten – die sich noch dazu mit einer Liebe zwischen den Generationen und anderen Nicht-Mainstream-Themen befasst. Verkäuflich? Ähm, nein, eher nicht.

Warum will ich Sein Artist trotzdem als erstes Selfpublishing-Projekt? Warum habe ich mir von all meinen speziellen Geschichten ausgerechnet die ultraspeziellste ausgesucht und kein Projekt, das zumindest ein ganz klein wenig angepasster an das ist, was allgemein gern gelesen und gekauft wird?

Ganz einfach: Diese Geschichte ist vollständig fertiggestellt und überarbeitet. Sie ist von allen Waidbronn-Geschichten jene, die zeitlich am dichtesten auf Schwester golden, Bruder aus Stein folgt. Sie ist aufgrund ihrer Kürze das perfekte Ausprobier-Projekt. Und sie besitzt bereits ein professionelles Cover, das ich von Georg und meiner Mama zum Geburtstag bekommen habe – im Juni, als noch keine Rede von Veröffentlichung war; das war ein absolutes Nur-für-mich-Geschenk. Und das alles reicht mir aus. Das sind perfekte Voraussetzungen für ein Experiment. Falls ich merken sollte, dass mir das Selfpublishing nicht liegt, habe ich nichts verloren und auch nicht übermäßig viel Zeit verschwendet. Bei einer Geschichte in Romanlänge sähe das anders aus.

Und für eine Geschichte in Romanlänge hätte ich mir auch kein professionelles Lektorat leisten können – eine Erfahrung, für die ich wahnsinnig dankbar bin und die ich nur jedem empfehlen kann, der sie sich leisten kann.

Dabei – und das hat mich wirklich umgehauen – hatte Frau Kischkel gar nicht viel an Sein Artist zu beanstanden. Es waren eher kleinere Schönheitskorrekturen, durch die wir dem Text gemeinsam den letzten Schliff verliehen: An einigen Stellen wurde der Ausdruck poliert, ganz zum Schluss gab es auch eine winzige inhaltliche Korrektur, aber das war alles nichts Dramatisches. Frau Kischkel nannte meinen kleinen Artisten den fehlerfreisten Text, der ihr bislang untergekommen sei, und sogar die Sexszene, derentwegen ich in Bezug aufs Lektorat Blut und Wasser geschwitzt hatte, mochte sie – Leute, ich wäre echt fast vom Stuhl gefallen.

Und im Hinblick darauf glaube ich, dass Selfpublishing vielleicht wirklich das Richtige für mich sein könnte. Dass es okay ist, dass ich mir nicht für jeden Text ein professionelles Lektorat leisten kann, weil ich tatsächlich kaum mehr Fehler zu machen scheine. Was wiederum der endgültige Beweis dafür ist, dass Georg ein großartiger Betaleser war – meine alten Texte hatten definitiv keine solche Qualität, er hat immer noch etwas gefunden, das gravierend verbessert werden musste und dann natürlich verbessert wurde. Auch bei SGBAS, das ja noch von Georg betagelesen worden war, lief das Lektorat ganz entspannt ab, es gab kaum etwas zu ändern – nur dass ich da ein bisschen Angst hatte, dass das womöglich auch auf die Unerfahrenheit der Lektoren des sehr, sehr jungen Verlags zurückzuführen sein könnte. Nun aber habe ich die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Lektorin erlebt, und erneut gab es keine dramatischen Änderungen. Stattdessen aber eine wirklich erfüllende Arbeit mit dem Text, der ich ein paar neue Kniffe verdanke, die ich auch in weitere Projekte werde mitnehmen können.

Was ich besonders hervorheben möchte und was, denke ich, gerade für Selfpublisher wichtig ist, welche in der Regel die volle inhaltliche Kontrolle über ihre Geschichten behalten wollen (wie ich ja auch): Frau Kischkel hat mir nie etwas aufgedrängt. Einzelne ihrer Vorschläge habe ich nicht oder nur zum Teil übernommen, weil mir die ursprüngliche Version besser gefiel, und diese Freiheit in der Zusammenarbeit schätze ich sehr.

Kurz: Ich fand das Lektorat großartig und kann Ka & Jott absolut weiterempfehlen.

Der nächste Schritt? Einen passenden Anbieter finden, über den ich das E-Book verkaufen möchte. (Haha, verkaufen. Ähm, in die Shops stellen lassen. Dings.) Auch hier habe ich meine Wahl schnell getroffen: Der für eine Technikniete wie mich übersichtlichste Anbieter ist neobooks. Zwar habe ich selbst da nicht von Anfang an durchgeblickt, aber ich kann euch jetzt schon sagen: Das neobooks-Team bietet einen tollen Service. Auf all meine bisherigen Fragen, die ich per E-Mail gestellt habe, habe ich innerhalb weniger Tage eine freundliche, aussagekräftige Antwort bekommen, verbunden mit dem Hinweis, dass ich mich jederzeit wieder melden kann, falls weitere Fragen auftreten sollten. Das hätte ich nicht erwartet, muss ich ehrlich gestehen; das hat mich richtig geflasht. Und ich bin mir ganz sicher, dass weitere Fragen auftreten werden, sobald ich mich ernsthaft daran mache, Sein Artist dort hochzuladen. Ich meine, wir sprechen hier von mir. Aber irgendwie wird das schon klappen.

Erwartungen habe ich, wie schon vor Kurzem gesagt, keine. Ich weiß, dass Geschichten wie meine keine Renner werden, und mein Alltag lässt mir weder Zeit noch Energie, mich als Marktschreier zu betätigen, der mit Werbe-Goodies zur Geschichte um sich wirft. Und das wäre wohl auch nicht mehr ich. Ich möchte meine Geschichten lieben und sie in die schönste Form bringen, zu der ich fähig bin, aber ich werde mich nicht in den Konkurrenzkampf mit anderen Autoren stürzen. Der Selfpublisher-Markt ist mindestens so umkämpft wie der reguläre Buchmarkt; jeder möchte gesehen und gelesen werden, und anders als in der Verlagswelt kann das auch jeder. Aber man muss gewaltiges Marketing betreiben, um dauerhaft sichtbar zu bleiben, weshalb ich lieber von Anfang an ehrlich sage: Das kann ich nicht leisten.

Was ich aber sehr, sehr hoffe: dass ich mich in das Ergebnis verliebe. Dass ich Sein Artist schließlich auf meinem E-Book-Reader habe, die Geschichte selbst noch einmal lese und finde: Das hat sich gelohnt, bitte mehr davon!

Kommentare:

  1. Hiho! <3

    Das sind tolle Neuigkeiten!!!

    Und ich finde es super, dass du von beiden voneinander unabhängigen Stellen gehört hast, dass es nicht viel zu korrigieren gibt - du schreibst nämlich wirklich wunderbar und ich finde es auch krass, wie viel du laut eigener Aussage von einem Lektorat auf andere Werke übertragen kannst.
    Deine Art zu schreiben fällt für mich definitiv unter Talent und im Grunde hast du dieses Statement ja auch jetzt offiziell. <3

    Ich bin gespannt, wie Sein Artist sich auf dem Buchmarkt macht - und ich weiß, wer es sich holen wird ^^ - und drücke dir die Daumen, dass das gewünschte Gefühl bei dir eintritt.

    Das Cover finde ich übrigens auch total cool, ich bin mir sicher, dass ich das schon mal geschrieben habe, aber hier im Blog ist kein Kommentar zu mir dazu - vermutlich haben wir darüber mal per Mail gesprochen.

    Viel viel "Erfolg" im Sinne dessen, was du dir davon versprichst - und Gratulation vorab zu diesem Schritt.

    Viele liebe Grüße! <3
    Jade

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    1. Huhu! <3

      Aww, danke dir! <3

      Da es hauptsächlich um Formulierungen ging, ist das Übertragen eigentlich ganz einfach. :) So kleine Macken, die sich eingespielt haben und die nicht arg elegant klingen etc. :)

      Uff, auf dem Buchmarkt - daran denke ich eigentlich gar nicht so wirklich. Ich glaube wie gesagt nicht, dass man mit einer Geschichte wie dem Artisten großen Verkaufserfolg haben kann, erst recht nicht, wenn man keine groß angelegte Werbung macht. Aber ich schau mal, was kommt, und freu mich über jeden, der meinen Artisten lesen mag. <3

      Ich glauuuuub, über das Cover haben wir getwittert, bin mir aber auch nicht mehr sicher, ob es nicht doch per Mail war. :'D

      Nochmals Danke und viele liebe Grüße zurück! <3

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    2. Gern. <3

      Trotzdem find ich es immer schwierig, Kritik von einer Sache dann auch wirklich konsequent in etwas anderem umzusetzen, zumindest je nach dem, was es ist. Klar, manches behält man sich, aber insgesamt wäre mir eine weitere Korrektur bei einem neuen Werk schon lieber und sicherer. *hust*

      Hm, zumindest ein bisschen Werbung entsteht ja schon dadurch, dass hier und anderenorts darüber gesprochen wird und wenn es gerade die richtigen Leute erwischen, die auch wieder darüber schreiben, usw. dann könnte sich das schon rumsprechen.
      Aber es ist auch gut, dass es dir nicht darum geht, es zu vermarkten - die Einstellung beizubehalten kann schwierig sein, denke ich.

      Twitter kann natürlich auch sein. *g* Vielleicht auch ... über beide Wege. :D Das hatten wir ja auch schon. :D

      <3

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    3. Hmm, ich weiß nicht - wenn man nichts mitnehmen und lernen könnte, fände ich es extrem schade, daher bin ich total froh, dass das bei mir so ist. :)

      Vermarkten ... das aktiv betreiben kann ich einfach nicht. Also, klar, hier spreche ich darüber wie über alle meine Sachen, aber wie schon im Post geschrieben - um einen auf Marktschreier zu machen, hab ich einfach nicht genug Zeit und Energie. :D

      :D <3

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