Dienstag, 4. August 2015

Fern vertraut

GD

Fliegen? Nicht an fremde Orte,
sagt die Stimme, die nie schweigt.
Verbunden durch Gespensterträume
webt aus Furcht sie dir ein Kleid.

Spüren? Deinen Platz im Leben?,
fragt sie, Einsamkeit im Blick.
Zweite Chancen reißt sie an sich,
gibt sie preislos nie zurück.

Kehrt die Stille immer wieder?,
will sie wissen, und sie schreit:
So vergiss mich, sieh nach oben!
Welten beben, Welten toben!

Zitternd kommt sie dann geflogen:
sanfte, fern vertraute Einheit.
Und die Stimme, müd’ und alt,
entflieht der bleiernen Gestalt.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich bin gerade durch Zufall auf dieses Gedicht gestoßen und es hat mich wirklich berührt.
    Daher musste ich mich hier einfach kurz mal rein schleichen und sagen, dass ich es einfach großartig finde. (Auch wenn ich leider keine Meisterin bin, wenn es darum geht, gute Rückmeldungen zu schreiben.)
    Diese Formulierungen, das ist einfach ganz, ganz große Wortkunst.
    Mich persönlich regt das Gedicht sehr zum Nachdenken an, was ich an Lyrik immer liebe.
    Und da ich meine Gedanken gerade leider nicht in sinnvolle Worte fassen kann, sage ich nur noch,
    dieses Gedicht ist wundervoll.

    Liebe Grüsse
    Kate

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    1. Hallo und vielen, vielen Dank! :-)

      Das freut mich gerade sehr, und erst recht, weil Alex mir gerade erzählt hast, dass du SGBAS sehr mochtest - denn dieses Gedicht habe ich ihr für ihren zweiten Waidbronn-Roman geschenkt. Und mach dir bitte keine Gedanken über sinnvoll oder nicht, ich finde zum einen schon, dass dein Kommentar sinnvoll war, und zum anderen drücke ich mich generell häufig unsinnvoll aus. ;-)

      Viele liebe Grüße
      Georg

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