Freitag, 15. Mai 2015

Begegnung durch den Filter

GD

Beitrag zur Blogparade Begegnung der Aktion Mensch

Wenn Alex und ich unterwegs sind und mit Menschen in Kontakt kommen, läuft das häufig nach dem gleichen Schema ab: Die Menschen sprechen ausschließlich mit Alex, selbst dann, wenn es um mich geht. Oft sogar besonders dann, wenn es um mich geht.

»Ist das in Ordnung?« an der Supermarktkasse, an Alex gewandt, während ich der Kassiererin meine EC-Karte reichen will, auf der, man mag es kaum glauben, mein eigener Name steht.

»Hatte er einen Unfall?«, die allgemein beliebteste Frage.

Oder: »Versteht er uns?«, unser bisheriges Highlight, von einer Zahnarzthelferin gefragt.

Das ist Alltag, und glücklicherweise verstehen es die meisten Menschen, wenn wir ihnen erklären, dass sie bitte mit mir selbst sprechen mögen, wenn sie etwas wissen möchten.

Interessanter ist momentan für mich, dass es auch umgekehrt einen Filter zu geben scheint. Es gibt nicht nur Menschen, die mich aus der ersten Kontaktaufnahme filtern, weil ihnen das Gespräch mit Alex angenehmer erscheint (sie lacht), sondern auch solche, die zu befinden scheinen, Alex’ Existenz sei für mein Leben und den Kontakt mit mir vernachlässigbar. Diese Art des Filterns wird meist von anderen Menschen mit Behinderung vorgenommen, das überrascht mich am meisten.

Da treffen wir zum Beispiel Person X im Bus, wir quetschen uns auf den Rollstuhlplätzen irgendwie zusammen, was schwierig ist, da auch noch ein Kinderwagen Platz finden muss, und kommen ins Gespräch, während dem Person X Alex völlig ignoriert und ausschließlich mich ansieht und anspricht. Zum Abschied sage ich etwas wie: »Hier müssen wir raus, meine Frau hat da drüben bei Arzt Y einen Termin«, und Person X murmelt überrascht: »Oh, ich dachte, das wäre deine Assistentin.«

Ist sie ja auch. Jedoch nicht ausschließlich. Und dies scheinen sich Menschen mit Behinderung mitunter ebenso wenig vorstellen zu können wie Menschen ohne Behinderung. (Abgesehen davon würde ich auch die Assistentin eines anderen Menschen nicht ignorieren.) Es sind nicht immer nur die nichtbehinderten Menschen, in deren Köpfen Barrieren existieren. Und damit hätten wir doch schon mal eine Gemeinsamkeit.

Besonders lustig: Auch zur Blogparade Begegnung der Aktion Mensch, derentwegen ich diesen Eintrag geschrieben habe, wurde ausschließlich ich eingeladen. »Lieber Georg« stand da, nicht »Hallo Georg und Alex«, und Letzteres hat zuvor wirklich jeder hinbekommen, der uns über unseren gemeinsamen Blog kontaktiert hat, der ja nicht ohne Grund den Titel Beziehungstat trägt.

Dies haben wir kurz danach getwittert, und ebenfalls via Twitter kam von der Aktion Mensch auch wenig später eine Entschuldigung und die Mitteilung, dass sie niemanden ausschließen wollten, sondern sich auf die Kontaktinformation in unserem vom Bund behinderter Blogger zur Verfügung gestellten Impressum bezogen haben, wo wir meinen früheren Nickname als Pseudonym angegeben haben. Ist auch kein weiteres Problem, wir sind nicht nachtragend.

Es fällt jedoch auf, wenn auch im Nachhinein eher auf lustige Weise. Da geht es um Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, und da gibt es zwei Menschen, die eine inklusive Ehe führen, und angeschrieben wird ausschließlich einer von ihnen. Schon einen Schmunzler wert, finde ich.

Ich würde mir mehr Begegnungen ohne Filter wünschen. In beide Richtungen. Dass wir mit unserem Lebensentwurf manchmal für Verwunderung sorgen, ist uns allerdings in vollem Umfang bewusst, daher versuchen wir einfach, solche Situationen weiterhin mit Humor zu betrachten. Denn letztlich ist und bleibt die wichtigste unserer Begegnungen die zwischen uns beiden.

Kommentare:

  1. Hallo Alex,
    kann Georg lesen und versteht er mich, wenn ich ihm schreibe und frage, wer diese "Alex" ist, von der er da schreibt?

    :P <3

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    1. Hallo Lexi,

      ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wer ich bin, und Georg versteht die Frage nach meiner Person nicht, egal ob schriftlich oder mündlich, und jetzt wissen wir auch nicht weiter.

      :'D <3 xD

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    2. Na gut, dann kriegt er wohl keine Speisekarte. :P

      :D <3

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    3. Er hat eh schon gegessen. :D

      (Und er WUSSTE, dass er was vergessen hat! :D :D :D)

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    4. Wie schön, hat deine Assistentin dir Essen gemacht :D

      (Jaaaa o.o Meeeensch o.o :D)

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    5. Ja, sie ist die beste Nichtexistierende der Welt. :D

      (Aber das steht ja immerhin schon irgendwo auf dem Blog. <3)

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