Montag, 16. März 2015

Wurzeln #3 – In hohem Bogen

GD

Zum Thema Wurzeln schießen mir viele verschiedene Ideen durch den Kopf, und es ist nicht leicht, ohne qualifizierte Entscheidungshilfe einer davon den Vorzug zu gewähren.

[Pathos]Jede davon drängt sich energisch in den Vordergrund, jede möchte genannt werden, Gehör finden, sodass es mir wohl nicht erspart bleiben wird, noch einige Beiträge zu diesem großartigen Projekt zu schreiben. *gg* Ob mir dies in den wenigen Tagen bis zur Deadline noch gelingen mag, sei dahingestellt. *hust* Aber theoretisch passen die meisten dieser Geschichten auch zum Label Erinnerungen, auch wenn Wurzeln darin vorkommen. Bestimmt wird es mir möglich sein, einer jeden von ihnen eines Tages die nötige Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen.[/Pathos]

Die Geschichte, für die ich mich nun entschieden habe, liegt nahezu vierzehn Jahre zurück:

Ich hatte mich gegenüber unseren Nachbarn bereit erklärt, in deren »Holzlädle« Spalier zu sitzen, das heißt anwesend zu sein und gegebenenfalls zu kassieren. Das Holzlädle ist ein sehr, sehr kleiner Ein-Raum-Verkaufsstand für kunstvolle Holzfiguren, Stifthalter und sonstige hölzerne Accessoires.

Damals war ich noch in wesentlich besserer Verfassung als heute. Und ich konnte sogar Fahrrad fahren – das wäre heute undenkbar. Ich gehe davon aus, dass das Folgende nicht passiert wäre, wenn ich mich schon früher an das ausschließliche Lesen von Büchern gewöhnt und nicht noch eine Zusatzunterhaltung gebraucht hätte.

Jedenfalls war es so, dass ich sowohl einen Weltempfänger als auch Stephen Kings Es dabei hatte. Beides hatte ich auf bzw. unter den Gepäckträger geklemmt. Hätte ich ein dünneres Buch und nicht diesen fetten Wälzer mitgenommen, wäre das ebenfalls nicht passiert, aber meine Haltung diesbezüglich habe ich ja bereits dargelegt: möglichst viel Unterhaltung.

Also fuhr ich vollbepackt los. Nach etwa zwei Dritteln des Weges knallte die Stofftüte, in der ich die unbeugsame Fracht gelagert hatte, auf den Boden, und der Weltempfänger schlitterte über den asphaltierten Feldweg. Ich dachte, bevor mir das nochmals passiert, nehme ich die Tüte lieber an den Lenker.

Anstatt das letzte Drittel des Weges zu schieben – was mir das Folgende ebenfalls erspart hätte –, stieg ich wieder aufs Rad und beschwor mich, langsam zu fahren.

Dieser Vorsatz klappte … nicht. Gut 120 Meter weiter knallte meine Last gegen die Radgabel, brachte mich ins Schlingern und ich stürzte. Das Fallmuster beschert mir immer noch große Zweifel. Demnach müsste ich die Vorderradbremse noch gedrückt haben, denn ich fiel kopfüber auf den Weg, aber daran kann ich mich nicht erinnern.

Leider war ich so leichtsinnig, keinen Helm zu tragen. Ich habe mir eine Platzwunde an der Nase, die mit fünf Stichen genäht werden musste, sowie eine gewaltige Schürfwunde über die ganze Stirn zugezogen, zudem eine Stauchung der Halswirbelsäule, weswegen ich eine Halskrause verpasst bekam. Insgesamt hatte ich aber trotzdem noch Glück.

Warum nun aber diese Geschichte?

Was hat das mit Wurzeln zu tun?

Vor dem Nähen habe ich eine Betäubungsspritze erhalten, und zwar in die Nasenwurzel. War nicht unbedingt angenehm, aber inmitten der sonstigen Schmerzen auch nicht schlimm.

Und für alle, die nach dieser seeeeeeehr aufwühlenden Story einen humoristischen Ausgleich benötigen: Ich finde es immer immens witzig, wenn sich Mediziner denken: Der Patient ist sediert, also bekommt er auch nichts mit. So auch in diesem Fall: Es wurde sich angeregt über die letzten Urlaubserlebnisse unterhalten, als wäre ich gar nicht da. Als Gesprächspartner schien ich wohl nicht besonders reizvoll zu wirken.

Kommentare:

  1. Wie dumm ich die »unbeugsame Fracht« halt anherze. <3

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  2. Aua! Das klingt alles ziemlich schmerzhaft!
    Oh und über was sich dann so unterhalten wird, kann ich mir gut vorstellen und habe auch schon genügend in der Richtung gehört. Da kommt man sich dann doch gerne mal leicht deplatziert vor. *g*

    Dankeschön fürs Teilen dieser Anekdote. :)

    Liebe Grüße!
    Jade

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    1. War es auch, aber da es knapp die Hälfte meines Lebens her ist, kann ich zum Glück darüber lachen. :'D

      Jaa, so ein bisschen wie ein Teil der Deko oder so. *gg*

      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße zurück! :-)

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