Sonntag, 15. März 2015

Wurzeln #2 – Von Wurzeln und Wurzellosen

AD

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Schwester golden, Bruder aus Stein und Codewort: Puls habe ich gestern noch für mich behalten, um heute einen ausführlicheren Post darüber einstellen zu können: Das Thema Wurzeln, derzeitiges Stichwort des Blogideekastens, spielt für beide bisherigen Waidbronn-Geschichten eine gravierende, tiefgreifende Rolle. Anstatt selbst viel darüber zu erzählen, möchte ich euch heute aber lieber jeweils einen Auszug aus den beiden Werken zeigen.

Das Zitat aus SGBAS ist sehr, sehr kurz – meine Stammleser von FanFiktion.de kennen den Text ja bereits, und potenzielle Käufer des Buches möchte ich nicht mit riesigen Spoilern abschrecken. Aus Puls gibt es eine etwas längere Leseprobe, die einen Hinweis darauf liefert, was Außerirdische auf der Erde wollen könnten, und die zudem schon einen winzigen Blick hinter Douglas’ anfangs abweisende Fassade gewährt.

Kurz vor zwei zeigte Herr Kupfer offenere Züge. »So, genug geschwitzt«, sagte er, als er unsere Bewerbungen zur Kontrolle einsammelte. »Zum Schluss möchte ich heute ein kleines Projekt mit Ihnen starten.«
Gespanntes Tuscheln erfüllte den Raum. Projekte waren immer gut. Ein lockerer Zeitvertreib.
Meine Wurzeln, schrieb er auf das Flipchart. Woher komme ich? Wem sehe und bin ich ähnlich? Wie sehr hat meine Familie mich geprägt? Ein Bericht – Stillarbeit in vier Stunden der nächsten Unterrichtstage.

Schwester golden, Bruder aus Stein | Berichte
Su'e-Vid seufzt schwer. »So was gibt’s bei uns auch, ja. Vor allem in der Wurzellosenpolitik.«
»In der was?« Ich nehme einen großen Schluck Kaffee und verbrenne mir fast die Zunge. Zu wenig Milch.
»Ähm, in der Wurzellosenpolitik«, wiederholt er. Fahrig streicht er sich durch sein wirres Haar, als wäre es ihm peinlich, darüber zu sprechen. »Wurzellos ist, wer als Kind aus Platzgründen anonym von seinem Elter oder seinen Eltern weggegeben wurde. Und wer dadurch eben keine Chance hat, später mal Wohnraum zu erben. Wer nicht zufällig einen Lebenspartner findet, bei dem das anders aussieht, muss es im Erwachsenenalter irgendwie schaffen, eine Wohnung zu finden, die er auch bezahlen kann. Na ja, und da tut der Staat abartig großzügig, weil Wurzellose seit ein paar Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf ein Loch von der Größe eines Schildkrötenpanzers haben. Also, metaphorisch, mein ich, ein bisschen größer war meine Wohnung schon. Sechs Quadratmeter ungefähr, hab ich ja gesagt.«
Elter. Allein dieses Wort. Kein Mensch benutzt diesen Ausdruck im Alltag, doch Su'e-Vid scheint er zugeflogen zu sein. Wie so vieles andere. »Warum zeugen Leute Kinder, wenn sie keinen Platz für sie haben?«, hake ich nach.
Er zuckt die Schultern und starrt in seine Müslischüssel. »Manchmal aus Leichtsinn. Oder aus einer falschen Wir-schaffen-das-schon-Haltung heraus. Oder die Leute verlieren ihren Job, können die Miete nicht mehr bezahlen, oder die Raten fürs Eigentum, oder ... es gibt viele Möglichkeiten.«
Ich nicke. »Ja. Das zumindest ist bei uns nicht nennenswert anders, obwohl wir kein solches Platzproblem haben. Entschuldige. War eine idiotische Frage.« Und verflucht unsensibel, wenn man bedenkt, was er mir da gerade erzählt hat.
Su'e-Vid blickt auf und mir direkt in die Augen. Im trüben Novemberlicht wirkt es, als wären seine himmelblauen Iriden von innen beleuchtet. Er lächelt. »Ist nicht schlimm. Als ich jung war – also, jünger als jetzt, jugendlich –, hab ich mich manchmal gefragt, warum ich bitte überhaupt gezeugt wurde. Aber ich kannte meine Eltern nicht. Oder meinen Elter. Siehst du, ich weiß nicht mal, ob es zwei oder einer waren. Bei vielen ist das anders. Viele erinnern sich. Das ist schlimm.«
Ich schlucke gegen den Kloß in meinem Hals an. Obwohl ich nicht annähernd träume, sehe ich den Silberfaden auf dem Dachboden glänzen. Sehe, wie er im Luftzug ihre nackten Zehen streichelt. Ich habe nicht sofort verstanden, dass sie tot war. Das Bewusstsein drang langsam in meinen Kopf. Spielte mit der Dunkelheit. Wie das Poltern vorhin.

Codewort: Puls | 7

Das waren sie also, die Textauszüge. Eventuelle Fragen dazu beantworte ich sehr gern, sofern die Antworten nicht spoilern. Der Auszug aus Puls stammt natürlich noch aus der Rohversion, noch habe ich ja nicht mit der Überarbeitung begonnen – da kann es also passieren, dass ich die eine oder andere Formulierung später noch ändere oder zurechtfeile.

Whee, und damit bin ich Erste! Georg, Lexi und ich haben heute nämlich parallel Beiträge zum Blogideekasten geschrieben, beziehungsweise tun es die beiden immer noch. Lexis Post gibt es nachher (= gleich, während ich das hier geschrieben habe, ist sie auch fertig geworden *gg*) auf ihrem Blog Kingdom of Chaos zu lesen, und Georgs Eintrag kommt im Laufe des morgigen Tages hier auf Beziehungstat online.

Ich wünsche euch schon mal viel Spaß damit!

Kommentare:

  1. Herz <3

    Und darf ich jetzt auch? o.o Biiiitteeeeeeee *-*

    AntwortenLöschen
  2. Hallo, Blogger, da ich diesen Post gerade mal wieder las - hier stand mal eine Antwort von mir! ò.ó

    AntwortenLöschen