Mittwoch, 4. März 2015

Gedanken zum Essen

GD

Immer wieder reagieren Leute seltsam darauf, wenn sie mitbekommen, wie wir uns ernähren. Wir gehen ca. einmal im Monat auswärts essen und kaufen auch recht häufig Obst und Gemüse im Bioladen ein, hin und wieder auch andere Produkte von dort. Wenn uns dabei dann Menschen begegnen, die wir vage kennen, sehen ihre Gesichter oft so aus, als wollten sie fragen: »Was? IHR könnt euch das leisten?«

Können wir. Allerdings nur, weil wir ansonsten nahezu nichts kaufen.

Wir haben kein Auto und somit keine Kosten für dessen Versicherung, Benzin oder Reparaturen.

Wir haben kein Smartphone, sondern uralte Prepaid-Handys, die wir kaum benutzen, und somit keine Handyrechnung.

Bekleidung aller Art kaufen wir ausschließlich dann, wenn etwas kaputt ist oder nicht mehr passt.

Bei Technik aller Art halten wir es ebenso: Neues wird nur angeschafft, wenn der Vorgänger defekt ist.

Alex gibt weder Geld für Make-up noch für Nagellack und dergleichen aus, sie braucht das einfach nicht. (Früher habe ich selber ab und zu dunklen Nagellack getragen, aber ihn nicht mehr selbstständig auftragen zu können, hat mir den Spaß daran genommen, und selbst wenn ich das noch mal wollen würde: Ein solches Fläschchen hält eine Weile und es müssen für mich nicht unbedingt die teuren Marken sein.)

Wir unternehmen insgesamt selten etwas, das Geld kostet. Das ist die Kehrseite daran, im ländlichen Bereich zu leben und kein Auto zu besitzen, wenn man körperlich nicht mobil ist: Schon ein Kinobesuch ist für uns schwierig zu realisieren und muss inzwischen im Voraus geplant werden.

Es gibt nichts, was wir unbedingt benötigen, außer ab und zu mal ein Buch, noch seltener eine DVD oder eben ... Essen. Und dafür geben wir das Geld, das wir zur Verfügung haben, gerne aus und legen Wert darauf, dass es gute, qualitativ hochwertige Sachen sind.

Jeden Tag in der Woche bio zu essen, wäre natürlich nicht drin. Und würden wir auch nur einen Teil unserer sonstigen Lebensweise verändern, könnten wir uns unsere jetzige Ernährung nicht mehr leisten. Dennoch möchte ich nicht die Preise für diese Lebensmittel anprangern. Es schockiert uns eher, wie wenig vielen Menschen ihr Essen inzwischen noch wert ist und was aus dieser Haltung resultiert.

Uns ist klar, dass es auf manch andere seltsam wirkt, dass wir unser Geld lieber für Lebensmittel ausgeben als für andere Dinge. Und falls wir jemals zwingend ein Auto brauchen werden, ist es mit »Aussuchen, wofür wir lieber Geld ausgeben« natürlich nicht mehr weit her. Momentan möchten wir aber eben am liebsten so leben, wie wir es tun.

(Reingelegt: Meine Gedanken kann man gar nicht essen.)

Kommentare:

  1. Du sprichst mir mit diesem Text - okay, vielleicht bis auf den Technikkram, wobei ich mich da schon für sehr gemäßigt halte -, SO aus der Seele! Es freut mich eigentlich tatsächlich am Allermeisten, mir ab und zu was "exotischeres" zum Essen zu leisten, als andauernd irgendwelchen (Mode-)Trends hinterher zu laufen. Manche meiner Klamotten sind noch von den Cousinen "geerbt" und bestimmt mittlerweile um die 15 Jahre alt.

    DANKE dafür! <3
    (Sehr schöner Header, übrigens!)

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    1. Das freut mich/uns umgekehrt jetzt auch sehr. :-)

      Vielen Dank! <3
      (*-*)

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  2. Sehr sympathische Einstellung! ;)
    Ich habe auch Klamotten, bei denen mich meine Oma noch fragt "DAS hast du noch?", wenn sie mich mal damit sieht. Dabei habe ich diese Art sogar von ihr. ^^
    Und Geld für (anständiges) Essen ausgeben finde ich überhaupt nicht seltsam. Im Gegenteil. Ich kaufe auch mal gerne im Bioladen, weil es einfach geil schmeckt, unabhängig von allen anderen Gedanken und Begründungen - wobei die natürlich auch mit rein spielen.
    Bei der Technik sehe ich das ebenfalls ähnlich, das Problem ist da allerdings, dass es einfach irgendwann ankotzt, wenn die Sachen nicht mehr funktionieren. Was ich schon Wutanfälle über mein Handy geschoben habe, obwohl es gerade mal zwei Jahre alt ist ... da ist es halt wirklich schade, dass die Industrie die Sachen so anfertigt, dass sie nach ein paar Monaten fast schon überholt sind. Das finde ich zum Kotzen, aber sich ständig ärgern und kaum noch Spiele spielen zu können, ist halt auch irgendwie ärgerlich. Aber ich sträube mich auch, die Geräte zu ersetzen und reize es aus, solange es zumutbar ist. ^^

    Liebste Grüße! <3

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    1. Freut mich/uns sehr, dass du unsere Einstellung nicht seltsam findest und sogar in vielem ganz ähnlich tickst. :-)

      Technik hat für uns einfach keinen soooo hohen Stellenwert - unseren PC haben wir ja schon zügig ersetzt, aber beim Handy z.B. sind uns Alter und Fähigkeiten einfach egal. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir darüber urteilen, wenn anderen das wichtig ist. :-)

      Liebste Grüße zurück! <3

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  3. Hachja, die lieben Mitmenschen...
    Im Sommer kauf ich auch oft vom Gemüsestand an der Ubahn. Ist zwar nicht bio-bio, aber man schmeckt nen sehr eindeutigen Unterschied zum Supermarktgemüse und -obst. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mir das Siegel bei bio deutlich weniger wichtig ist, als der Geschmack. Ich als Student werd dann auch oft gefragt, wie ich mir das leisten kann, und kann dann zurückgeben, dass ich mein Geld sonst beisammenhalte indem ich, wie ihr auch, meine Elektroartikel und Klamotten auftrage, bis sie auseinanderfallen und ich gehe halt nicht 4 mal die Woche weg. Wenn dann maximal einmal ins Kino, am Kinotag, für unter 10 Euro inklusive Popcorn und Getränke.

    Ich stimme dir, Georg, bzw. wohl eher euch beiden (^^) aber absolut zu, dass Essen bei vielen in Deutschland nicht "genug" wertgeschätzt wird, was ziemlich schade ist, weil ganz ehrlich, was gibt es schöneres als ein gutes Essen?
    (Bald gibt's wieder gute Erdbeeren und Tomaten, mmmh)

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    1. Der Geschmack spielt bei mir/uns natürlich auch eine Rolle, es geht nicht ausschließlich ums Bio-Siegel und die Gesundheit, zumal Obst und Gemüse, das wirklich gut schmeckt, auch gesund sein dürfte. :-)

      Wir kommen schon damit klar, wenn nicht jeder das so sieht (das erhoffen wir uns umgekehrt ja schließlich auch), aber wir freuen uns natürlich auch voll, wenn wir dann wie hier doch mal auf Gleichgesinnte treffen. :-)

      *freut sich mit auf Erdbeeren und Tomaten und schickt liebe Grüße*

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  4. Ich finde jeder muss/sollte für sich s elbst entscheiden wofür er Geld ausgibt. Bei mir ist es ebenfalls so das dass meiste Geld für Essen drauf geht. Mir ist ebenfalls die Qualität von GEmüse wichtig (auch wenn ich im Supermarkt einkaufe). Ich bevorzuge Gemüse aus Deutschland/Holland, weil sie einen kürzeren Weg haben als z. B. Spanien und Co. Leider gibt es im Moment nur Importware. Ansonsten ernähre ich mich aus einem Mix von Noname- und Marke, Fleisch von der Frischetheke und Tiefkühlung. Aber nur Pizza, Pommes und Co war noch nie mein Fall

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    1. Da stimme ich dir völlig zu. :-) Als seltsam empfinde ich es bloß, wenn wir eben schief angeguckt werden, weil wir diese Dinge kaufen - das muss wirklich jeder selbst entscheiden. :-)

      Pizza, Pommes & Co. mögen wir eigentlich gern, aber alles in allem sieht es bei uns ähnlich aus wie bei dir - ein Mix aus vielem. Ausschließlich Bio könnten wir uns gar nicht leisten, wir kaufen also schon auch oft im Supermarkt ein.

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