Freitag, 6. März 2015

Der Nabel der Worte

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Als ich erstmals einen Internetanschluss hatte, war ich achtzehn Jahre alt. Uraltes Quietsche-Modem, grottiger Seitenaufbau, aber ich hatte die Möglichkeit, mir das Internet mal persönlich anzuschauen, von dem ich bis dahin bloß hatte lesen können.

Foren gehörten von Anfang an zu meinen bevorzugten Seiten. Orte, an denen ich plötzlich Gleichgesinnte finden konnte – (ernsthaft) lesende und vor allem auch schreibende Menschen.

Ich war fast von Beginn an dabei, als FanFiktion.de seinen Betrieb aufnahm, damals noch unter einem anderen Account und ohne nennenswerte eigene Aktivität. Die begann erst ab 2007 mit dem heutigen Account – ich las, kommentierte und stellte ab und zu auch mal ein eigenes Gedicht ein. Feedback gab es lange Zeit keines; ich glaube, mein erstes Review auf ein Gedicht kam Ende 2008 oder so. Es könnte aber auch etwas früher oder später gewesen sein.

Wirklich als Autorin wahrgenommen wurde ich auf FanFiktion.de erst, als ich ab 2010 auch Prosatexte einstellte. Die Erstversion von Bittersüß ist süß genug war (für meine Verhältnisse *gg*) wahnsinnig beliebt, zum Schluss hatte sie allen Ernstes 171 Reviews. Ich knüpfte plötzlich zügig Kontakte zu anderen Usern und war auch im Forum regelmäßig anzutreffen, wo ich mit Vergnügen über das Schreiben und allgemeinere Themen diskutierte.

Und irgendwie ... wurde FanFiktion.de im Lauf der Zeit zum Nabel der Worte für mich.

Sally schreibt in ihrem Blog-Post Von gallischen Dörfern und dem Webzwonull:

Und dann kam Facebook. Das Bewusstsein für die Weiten und Möglichkeiten des Internets schrumpfte bei vielen Menschen gefühlt auf dieses kleine, blaue “F” zusammen. Was dort nicht gepostet, geteilt oder kommentiert wird, gibt es nicht.

Ganz genau so ging es mir als Autorin mit FanFiktion.de – zumindest, was meine »ernsthaften« Projekte betraf, die ich mit dem Ziel geschrieben hatte, dass andere Menschen sie lesen sollten. Texte, die ich dort nicht in meinem Profil erwähnt hatte, die ich dort nicht gepostet hatte, die dort nicht von meinen Stammlesern wahrgenommen und favorisiert wurden, fühlten sich an, als hätte ich sie gar nicht geschrieben.

Lange Zeit war das gut. Lange Zeit war das toll. Ein fester Platz für all meine Worte. FanFiktion.de als Mittelpunkt »meines« Internets, als mein virtuelles Wohnzimmer, in das ich erst Georg, später auch meine Mutter und meinen jüngeren Bruder lockte. Auch andere Angehörige schnupperten im Lauf der Zeit mal rein, vor Kurzem erst hat sich zum Beispiel mein Cousin einen Account dort erstellt, was Georg und mich total gefreut hat, auch wenn wir inzwischen beide gar nicht mehr regelmäßig auf FanFiktion.de anzutreffen sind.

Im Lauf der Zeit entfremdete ich mich mehr und mehr von der Seite. Zerbrochene Freundschaften, mit- oder selbst erlebte Faker-Geschichten, eine immer größere und teils extrem junge Community und ein Ton im Forum, zu dem mir (mir, selbsternanntes Hobby-Arschloch) einfach nichts mehr einfällt – mit dem Typus »aktiver User« bin ich irgendwie durch. Ich habe lange versucht, dagegen anzukämpfen, weil FF.de mir einmal so unfassbar wichtig war, aber es klappt nicht. Wenn ich mich heute noch ab und zu mal auf FF.de einlogge, fühle ich mich wie ein Fremdkörper.

Mitte 2014 bin ich daher forentechnisch umgezogen – lesend, kommentierend und (selten auch mal) diskutierend findet man mich seither in Poolys Kunst- und Schreibforum. Doch auch dort bin ich schon jetzt nicht mehr so aktiv, wie ich es in meiner Anfangszeit war. Dafür kann die Seite aber überhaupt nichts – das Forum ist toll, und die Poolys-User und das Team sind noch toller. Sehr klein und persönlich, das mag ich total gern.

Das »Problem« (in Anführungszeichen, weil es eigentlich kein echtes Problem ist) ist ein anderes: Obwohl ich mich anfangs sehr darum bemüht habe, mich auf Poolys auch als Autorin einzubringen, merke ich eines immer stärker: Ich möchte eigentlich gar nicht, dass eine neue Seite zu meinem Nabel der Worte wird. Ich möchte nicht noch einmal so abhängig von einer Seite sein – denn ganz genau das war das damals: Abhängigkeit von FF.de in Bezug auf mein schreiberisches Schaffen. Als ich mehr und mehr merkte, dass ich mich auf der Seite nicht mehr wirklich wohlfühle, hatte ich erst mal keine Ahnung, wohin stattdessen mit meinen fertigen Geschichten. Die überarbeitete Version von Bittersüß ist süß genug zu posten, hat sich so wahnsinnig seltsam angefühlt. Wie eine Art endgültiger Abschied von der Zeit, in der ich auf FF.de richtig aktiv war. Und ich glaube, das ist etwas, was ich auf diese Weise nicht noch einmal packe: erst ultimativ aktiv sein und dann bricht dieser Ort plötzlich weg, und sei es nur in emotionaler Form. Der Ort ist natürlich noch da, aber er ist aus verschiedenen Gründen nicht mehr derselbe für mich.

Bitte nicht falsch verstehen: Teil eines Forums sein, lesen, kommentieren, vielleicht auch selbst noch mal was Kleineres einstellen – das ja, sehr gern sogar. Aber ich will nicht noch einmal eine »fremde« Website zum Mittelpunkt meines Schreibens, meiner Worte machen. Der Mittelpunkt, das soll ein Ort sein, zu dem ich auch dann kommen kann, wenn ich mich auf anderen Seiten vielleicht einmal nicht mehr so wohlfühle wie jetzt. Ein konstanter Ort, an dem man mich und Informationen zu meinen Schreibprojekten findet und über den man bei Interesse auch meine Geschichten »beziehen« kann, auch dann, wenn ich sie nirgendwo mehr hochladen sollte. Denn das könnte passieren, vor allem bei den Großprojekten. (Jaah, okay, nicht mit den Augen rollen – ich hab schon gemerkt, dass mein derzeitiges Herzensprojekt nicht gerade auf großes Interesse stößt. *hust* Aber das ändert ja an meiner Gesamtsicht nichts.)

Den konstanten Ort habe ich im Grunde längst: Das ist unser Blog hier, auf dem es ja von Anfang an auch Zusatzmaterial zu meinen Geschichten zu lesen und zu sehen gab. Und das möchte ich beibehalten und ausweiten, auch wenn die Versuchung manchmal groß ist, diese Dinge aufzusplitten und zum Beispiel auf Poolys ein paar Hintergrundthreads zu größeren Geschichtenwelten zu eröffnen. So cool das auch wäre, es würde dem entgegenwirken, was ich mir eigentlich wünsche: einen Platz für all diese Dinge zu haben, der unabhängig von anderen Seiten oder Menschen da ist.

Am allerliebsten wäre mir/uns inzwischen eine eigene Domain, wie Sally sie seit Kurzem hat – aber eine Domain über Blogger zu erwerben, ist nicht mehr möglich, und jede andere Variante sprengt mein (und auch Georgs) Technikverständnis. Das muss man so offen sagen: Wir raffen diese Dinge einfach nicht, auch dann nicht, wenn jemand versucht, sie uns idiotensicher zu erklären. Unser Blog müsste erst mal vollständig auf einen anderen Blog übertragen werden, wenn wir das richtig verstanden haben, dieser dann auf eine eigene Domain, und wir sind absolut zu doof dazu. Wir sind uns nicht mal sicher, ob es tatsächlich so ist oder ob wir schon das falsch verstehen.

Da aber viele bekannte deutsche Blogs von Blogger gehostet werden, hoffen wir, dass die Möglichkeit der Nutzung dauerhaft bestehen bleibt und auch nicht irgendwann fremdbestimmt wird. Ich erinnere mich daran, wie die Stadt München z.B. von einem Tag auf den anderen ihre ursprüngliche Präsenz auf Facebook verloren hat, weil Facebook sich entschieden hatte, solche Präsenzen lieber selbst zu verwalten. Vor so etwas habe ich oft Angst im Hinblick darauf, dass wir nichts für die Adresse und den Platz hier bezahlen und im Falle eines Falles eben vermutlich keinerlei Rechte hätten. Ist ja alles gratis, wir sind keine Kunden. Und um sein Verschwinden einfach so wegstecken zu können, ist unser Blog inzwischen zu groß und uns viel zu wichtig.

Wie auch immer: Im Moment ist unser Blog die Seite für uns, für Georg ebenso wie für mich. Der erste Weg, wenn ich online komme, führt inzwischen auf Beziehungstat, dann erst auf Autorenseiten, Foren oder Twitter. Und das möchte ich auch in Bezug auf meine Geschichtenprojekte beibehalten und künftig verstärkt in Anspruch nehmen: einen Platz zu haben, an dem ich selbst mit mir rechnen kann, unabhängig davon, wo ich sonst noch aktiv bin.

Ich hoffe, es nervt euch nicht, wenn ich hier noch mehr über meine Geschichten berichten werde als bisher – aber wenn doch, ist es halt so. *gg* Also, es würde mir schon leidtun, aber nicht allzu sehr, denn man kann Einträge, die einen nicht interessieren, ja auch einfach ignorieren, und in allererster Linie soll dieser Blog schließlich Georg und mir Spaß machen.

In Bezug darauf, was künftig mit meinen längeren Geschichten passieren wird, habe ich noch keine hundertprozentig wasserdichte Entscheidung getroffen. Ganz unabhängig vom »Am liebsten einen eigenen Platz haben« ist es auch so, dass ich mich fürs kapitelweise Posten inzwischen irgendwie »zu alt« fühle, aus schreiberischer Sicht – ich schreibe zusammenhängend und möchte am liebsten auch so gelesen werden, nicht häppchenweise.

Daher wäre meine momentan liebste Lösung, neben Hintergrundinfos und Co. auch immer mal wieder Leseproben zu den betreffenden Geschichten zu bloggen – und wer dann nach Fertigstellung ernsthaft interessiert daran ist, bekommt sie als PDF-Datei von mir zugesendet. Dass das vermutlich nicht einmal eine Handvoll Leute sein wird, ist mir bewusst, stört mich aber nicht. Zwei echte Leser finde ich toller als fünfzig semiinteressierte Reinschnupperer, das war schon immer so.

Ja, ich glaube, ich möchte das wirklich gern so lösen. Georg findet es auch gut – er schreibt zwar nicht so viel und so ausufernd wie ich, mag aber den Gedanken, unseren Blog (noch mehr als bisher) zum Nabel der Worte zu machen. Find ich schön.

Kommentare:

  1. Komm' ich jetzt ins Fernsehen? \o/
    Nee, ernsthaft, freut mich sehr, dass ich ja anscheinend als Inspiration dienen konnte. :) Die Pläne, das Blog umzustrukturieren, finde ich toll!
    "Der Nabel der Worte". Gefällt mir! :)

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    1. Aber ja! \o/

      Jaa, hast du - dein Post war so der nötige Arschtritt, den ich gebraucht habe. :D

      Freut mich sehr, danke! <3

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  2. Moin moin Alex :),

    "... Ich hoffe, es nervt euch nicht, wenn ich hier noch mehr über meine Geschichten berichten werde als bisher – aber wenn doch, ist es halt so...".

    Ich weiß nicht, wie lange ich jetzt schon bei Euch lese, Eure Geschichten gehörten doch aber schon immer dazu. Eins ist klar: es ist Euer Blog, Eure Möglichkeit, sich mitzuteilen, andere an Eurem Leben teilhaben zu lassen. Und zu Eurem Leben gehören Eure Geschichten, Gedichte, Gedanken.

    Ich gebe zu, ich kann mit Deinem Genre nicht viel anfangen, aber ich lese mir zumindestens alles durch und dann ist es auch gut für mich (immer wieder in der Hoffnung, doch Gefallen daran zu finden :D ;) ). Von meiner Seite aus sage ich: Mach Dir nicht soviele Gedanken, was andere darüber denken. Wem es wichtig ist, der teilt es Dir mit, dass es ihm nicht gefällt (und das werden die wenigsten) und bei allen anderen kannst Du ausgehen, dass sie es lesen, egal ob sie nicht darin so aufgehen (wie ich) oder Dir durch ihre Antworten weitere Inspirationen geben können.

    "Nabel der Worte" - das gefällt mir auch sehr gut.

    LG: K.

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    1. Huhu! :)

      Meeh, da hab ich mich ein bisschen doof ausgedrückt, glaub ich - also, ich sitze jetzt nicht hier und mache mir dauernd Sorgen, was andere darüber denken. In erster Linie zählt für mich, dass es Georg und mir selbst gefällt. Aber es wird künftig halt schon noch wesentlich mehr Fiktion-Bezogenes hier geben als bisher, und Leser damit evtl. zu verprellen, hätte mir dennoch leidgetan. :)

      Wenn es gelesen wird und nicht stört, ist das für mich schon mal total toll, unabhängig davon, ob dann weiterführendes Interesse besteht oder nicht. <3

      Vielen lieben Dank! :)

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  3. Hallo. :)

    Ich finde es schön, dass du den Blog zum Nabel deiner Worte machen willst, denn so bist du wirklich unabhängig von externen Einflüssen. :) Schade ist es für mich natürlich schon irgendwo, dass du im Poolys doch nicht mehr so aktiv sein möchtest. Aber ich kann es verstehen.

    Gibt es von deinem neuen Projekt denn schon eine PDF? Für mich ist es immer ein bisschen schade, nur klitzekleine Leseproben zu haben, wenn einem nämlich dann das Projekt gefällt und es nicht mehr gibt, ist das schade. *lach* Deswegen lasse ich mich in deine Geschichten immer am liebsten erst dann fallen, wenn ich weiß, dass ich sie wirklich komplett lesen kann. :)
    Außer in Foren. Da lese ich auch gerne kapitelweise mit, weil ich diese Art des Lesens und dem Austausch einfach mag. Ich schreibe dann ja auch meist längere Kommentare.

    Liebe Grüße!
    Jade

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    1. Wuhu! :)

      Jaa, genau um das Unabhängig-Sein von außen geht es mir. :) Und auf Poolys werde ich ja weiterhin auch lesen und kommentieren. :)

      Von Puls? Jap, da hatte ich ja schon gebloggt, dass es fertig ist. Überarbeitet zwar noch nicht, aber ich kann auf jeden Fall garantieren, dass es das dann auch komplett geben wird. Die Leseproben sollen im allerbesten Fall ja nur neugierig auf die Gesamtgeschichte machen, ähnlich wie der Blick ins Buch auf Amazon oder Buchtrailer etc. :)

      Liebe Grüße zurück! <3

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    2. Das bezüglich Poolys ist schön zu lesen. <3

      Uuuh, dann melde ich auf jeden Fall Interesse an der PDF an. Die werde ich mir dann nämlich in Mobi umwandeln und auf meinem Kindle lesen (sofern dich das nicht stört, wovon ich aber eigentlich nicht ausgehe ^^). *.* Gibt es denn schon Tendenzen, wann es das uuungefähr geben wird? :)

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    3. <3 Das behalte ich in jedem Fall bei. :)

      Aww, und das freut mich sehr! Kein Problem, wenn du es umwandelst; du könntest die Geschichte auch gern als Word-Datei haben, wenn das einfacher gehen würde. :)

      Uuuuungefähr - hmm, wenn ich mich die nächsten Wochen an die Überarbeitung setze, so in knappen zwei Monaten, denk ich. :) Vorher würde ich aber erst noch einige Sachen auf dem Blog vorstellen bzw. erklären, bzw. das Überarbeiten und solche Posts dann einfach parallel laufen lassen. Da muss ich mich selber noch einfinden. *gg*

      Whee, und du bist die Erste, der ich mit dem (schon wieder) neuen Ava antworte. :D <3

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    4. Nein, PDF geht glaub ich sogar besser umzuwandeln. Weil ich sonst erst eine erstellen müsste und die dann in mobi konvertieren.
      Hihi, mach dir keinen Stress! <3 Ich freu mich jedenfalls schon. <3

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    5. Okay! <3

      Stress mach ich mir zwar mit so was schon, aber DAS ist der einzige wirklich positive Stress für mich. <3

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