Samstag, 28. Februar 2015

Von entlaufenen Kakerlaken und entlassenen Illusionen

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Ich glaube, ich hätte der Kakerlake aus Jules Südafrika-Blog gestern kein geheucheltes Kompliment machen sollen. Zur Strafe (oder so) hatte ich später im Halbschlaf nämlich einen verworrenen Kakerlaken-Traum: Ein Meer dieser krabbeligen Wesenheiten brach aus der örtlichen Zoohandlung aus (die in Wahrheit schon lange dichtgemacht hat) und stürmte erst unsere Wohnung, dann unseren Kühlschrank. Inklusive Badespaß im (in Wahrheit natürlich verschlossenen) Naturjoghurt, was von Weitem ein wenig so aussah wie Cookie-Creme, dann aber ... also ... bruah.

Mein Verhältnis zu Kakerlaken ist zwiegespalten: Im Grunde mag ich sie irgendwie, weil ich mir Gregor Samsa aus Kafkas Die Verwandlung nach besagter Verwandlung immer wie einen überdimensionalen Mix aus Kakerlake und Maikäfer vorgestellt habe. Maikäfer lieben Georg und ich ja sehr, wie ihr wisst, und wir finden Insekten allgemein total faszinierend.

Aber: Ich möchte sie nicht in der Nähe meines Essens oder meiner Sanitäranlagen haben, schon gar nicht, wenn es sich bei den Insekten um Kakerlaken handelt. Genau das ist mir im Laufe meines Lebens aber schon mehrfach passiert: Auf der Abschlussfahrt in der 10. Klasse krochen sie in der Herberge zuhauf aus dem Waschbecken, und in dem Haus, in dem sich meine erste eigene Wohnung befand, tummelten sie sich im Keller, wo die Gemeinschaftswaschmaschine stand.

Ja. Was für ein spannender Eintrag. Eigentlich wollte ich heute über was ganz anderes bloggen, aber mei – das kann ich jetzt immer noch, und mir fällt gerade sogar ein passender Gesamttitel ein. Der ist zwar irgendwie arg lang, aber mei.

Vielleicht haben sich manche von euch gefragt, warum es hier plötzlich (vergleichsweise) so offen zugeht – das Foto in der Sidebar und unsere Klarnamen, die wir durch die Posts über unsere kleinen Veröffentlichungen verraten haben. Unwiderruflich, das ist uns klar. Was mal im Netz steht, kriegt man nicht mehr vollständig weg.

Das ist gemessen am bisherigen »So wenig wie nur irgend möglich preisgeben«-Modus, den wir seit Anfang 2014 verstärkt gepflegt haben, schon sehr krass. Der Grund für die Veränderung fühlt sich aber fast lächerlich simpel an: Wenn wir verraten, wer wir sind, kann es kein anderer tun. Fest darauf zu pochen, dass unsere Anonymität gewahrt wird, auf Pseudonyme zu bestehen – das macht abhängig. Von jedem, der das Pseudonym und den realen Namen dahinter kennt. Und das ist uns einfach zu viel Eiertanz. Soooo wichtig sind wir (der Welt) nicht.

Meine größte Angst bezüglich übler Internet-Erfahrungen war bislang immer, dass ehemalige Online-Vertraute meinen Klarnamen oder Bilder von mir ins Netz stellen könnten. Wer anderweitig böswilligen Schabernack im Internet treibt, schreckt womöglich auch vor solchen Dingen nicht zurück. Wenn ich es aber einfach selber mache, ist auch da der Druck raus. Peinliche Fotos oder ernstlich intime Informationen hat zum Glück nie jemand von mir bekommen. So etwas wird es auch weiterhin nirgendwo von Georg und mir geben.

Zuletzt haben wir auch einfach endgültig die Illusion losgelassen, dass es irgendwo im Netz noch vollständige Anonymität oder absoluten Datenschutz gibt. Und da uns Pseudoanonymität nicht zufriedenstellt, haben wir die für uns unkomplizierteste Lösung gewählt und unsere Illusionen nun einfach entlassen. Vielleicht finden sie auf weiter Flur ja ein paar Kakerlaken zum Spielen. Oder ein kleines, pummeliges rosa Einhorn, das jetzt sogar auf YouTube herumflattern darf:


Georg und ich herzen und wünschen euch ein schönes Wochenende! ♥

Kommentare:

  1. Danke für die Erklärung Alex, ich hatte mich zwar auch schon gewundert, aber da ich davon ausgehe, dass ihr wisst, was ihr tut (*gggg*) habe ich das einfach so hingenommen. Ich persönlich finde es sehr gut, ein (bzw. zwei) Gesicht(er) zu dem Block zu kennen, hätte aber ohne diese Offenheit weiterhin zu Euern Lesern gehört ;) .

    Kakerlaken: *schüttel* - ich selber hatte noch nie Kakerlaken in der Wohnung gehabt, kenne aber noch die Zeiten, wenn ich mit meiner Freundin (damals im Wohnheim wohnend) nach Hause zu ihr kam, erst mal Tür auf, Licht an, Tür zu - damit die Kakerlaken Zeit hatten, sich zu verkriechen. Aber es gab immer ganz Neugierige, die Dich dann auf Schritt und Tritt begleiteten ;) ...

    Danke - Euch auch ein schönes Wochenende!

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    1. Huhu du Liebe,

      ja, das haben wir uns gedacht, dass das vor allem auf Stammleser verwirrend wirken muss. Hehe, aber wir freuen uns, dass wir so zurechnungsfähig wirken. *gggg* Bei dem speziellen Thema wussten wir aber tatsächlich ganz lange nicht, was wir tun (sollen) - beim WIR-Artikel haben wir erst ganz kurz vor knapp entschieden, dass wir diesen Weg jetzt gehen und dann natürlich auch bei allem Weiteren. :) Eine eigene Entscheidung fühlt sich einfach besser an, als irgendwie unter Druck zu stehen. :)

      Hahaha! :D So vereinzelte anhängliche Kakerlaken gab es im Haus meiner ersten Wohnung auch - ich weiß nur nicht, ob das immer dieselben waren oder ob die Kakerlaken allgemein gern menschliche Gesellschaft genossen. :D

      Vielen Dank! <3

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