Donnerstag, 12. Februar 2015

Freude vs. ... ja, was?

AD

Manche Menschen reagieren absolut erstaunt, wenn sie erfahren, dass Georg bloggt – jedoch nicht vorrangig über Inklusion und/oder seine Behinderung. Hobby? Schreiben? Spaß? Ob er, wenn er gern schreibe, nicht lieber »etwas bewirken« wolle? Gegenfrage: Ob Menschen, die solche Fragen stellen, irgendwann einmal merken werden, dass sie damit die Inklusion ad absurdum führen? Etwas aus Freude tun, aus Spaß, aus Liebe, auch ganz unabhängig von der Behinderung – ist nicht gerade das Inklusion? Tun (dürfen), was alle tun (dürfen)? Ist die Erwartungshaltung, ein Behinderter möge doch bitte vorrangig über Behinderung und Inklusion bloggen, in Wahrheit nicht anti-inklusiv?

[Damit meine ich nicht, dass Bloggen über Inklusion und/oder Behinderung nicht auch Spaß macht. Es ist aber halt nicht Georgs Hauptthema.]

Manche Menschen gratulieren mir zu den beiden Verlagsverträgen, nicht aber dazu, dass ich mein derzeitiges absolutes Herzensprojekt viel früher als geplant fertigstellen konnte. Sie möchten wissen, worum es bei dem zweiten Vertrag geht – was ich leider erst dann erzählen kann, wenn es auch auf der Verlagsseite steht –, aber andere Werke, für die ich brenne, interessieren sie nicht oder vergleichsweise wenig. Sind Geschichten ernsthaft nur dann etwas wert, wenn sie gedruckt werden? Etwas aus Freude tun, aus Spaß, aus Liebe – ist nicht gerade das (auch) eine Kunst?

[Damit meine ich nicht, dass die Geschichten, die verlegt werden, mir nichts oder weniger bedeuten. Sie sind aber halt nicht alles für mich.]

Manche Menschen posten Geschichten in Schreibforen und drohen öffentlich damit, sie abzubrechen, wenn sie nicht »ausreichend« Feedback dafür bekommen. Okay: Das Posten einzustellen, wenn von außen rein gar nichts kommt, kann ich verstehen. Ehrlich. Aber das Schreiben? Ist das potenzielle Feedback wirklich der einzige Grund, warum die betreffenden Autoren ihre Geschichten schreiben? Was ist mit all dem, was die Handlung, die Worte und die Charaktere mit einem selbst machen? Etwas aus Freude tun, aus Spaß, aus Liebe – definiert nicht gerade das ein Hobby und was es einem geben kann?

[Damit meine ich nicht, dass Feedback zu Geschichten mir nicht wichtig und wertvoll ist. Ich empfinde es aber halt nicht als Hauptmotor.]

Scheiße, ich bin grade echt durch und kapiere die Welt diesbezüglich nicht. Gut, ich kapiere sie auch anderweitig nicht, aber das ist für diesen Post ja egal. Es fühlt sich absolut verrückt für mich an, das alles, und ich stolpere irgendwo zwischen Verzweiflung, Amüsement und Resignation hin und her und frage mich, ob nicht vielleicht eher mit mir was nicht stimmt.

Kommentare:

  1. Auf der Homepage einer Autorin habe ich letztens einen Satz gelesen, der ziemlich viel wahres an sich hat. Sinngemäß übersetzt hieß es "Wenn es nichts kostet, ist es nichts wert" - daher vielleicht auch das Interesse von vielen Leuten aus deinem Umfeld an den bald (?) gedruckten Werken.
    Schön finde ich es aber zu lesen, dass du die wichtigen Dinge im Leben nicht aus den Augen verlierst - nämlich die Dinge, für die du "brennst" (von dem, was ich von dir durch den Blog kenne, hatte ich dabei auch keinerlei Bedenken, aber man weiß ja nie).
    Was du im ersten Absatz schreibst, ist mir schon oft aufgefallen - das ein behinderter Blogger nur dann was "wert" ist, wenn er gefälligst hauptsächlich über seine Behinderung bloggt. Sicherlich bestimmt eine Behinderung, wie leicht oder schwer sie auch sein mag, einen großen Teil des Lebens, aber das heißt doch nicht, dass es noch andere Bereiche gibt, die einen "kümmern". Und sei es das Bild von dem hübschen Krokus im Schnee. Aber das ist scheinbar nicht inklusiv genug, weil nicht großartig draufsteht, dass das jetzt Inklusion ist. Finde ich persönlich sehr schade, denn es zeigt, wie weit unsere Gesellschaft im Denken noch von besagter Inklusion weg ist. Ich will mich da nicht 100%ig ausnehmen, klar. Ich bin auch nur ein Mensch, mit vielen der gängigen Vorurteile geplagt, aber ich gebe mein bestes, und freue mich über jedes Foto von Blumen im Schnee (oder im Gras. Oder im Dreck), das ihr postet, weil ich mir dann denke, dass ihr bei dem Anblick Freude hattet. Und ich freue mich gerne daran, dass andere Menschen sich freuen können.
    Sinnlos-verwirrter Kommentar ist sinnlos-verwirrt, tut mir Leid. Schlafmangel...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moah, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. <3 Ich finde den absolut nicht sinnlos-verwirrt. <3

      Den Satz, den du zitiert bzw. sinngemäß zitiert hast, finde ich auch sehr treffend. Für alle Lebensbereiche, eigentlich, und das wiederum finde ich wahnsinnig schade.

      Für uns steht der Spaß am Bloggen und Schreiben einfach über dem »Erfolg«, den man damit evtl. haben könnte. Bei den Veröffentlichungen weiß ich im Moment ja noch gar nicht, ob man von so etwas wie Erfolg überhaupt annähernd sprechen kann (SGBAS ist für April geplant, das andere Projekt etwas früher), und selbst wenn die Sachen gut ankommen, werden sie für mich damit nicht automatisch wichtiger als alle anderen Geschichten. Und auch Georg ist jemand, der sich am liebsten den schönen Seiten des Lebens zuwendet, wo und wann immer das möglich ist.

      Ich glaub, dass ausnahmslos jeder Mensch irgendwelche Stereotype oder Vorurteile im Kopf hat, oft auch ganz unbewusst und ohne jede böse Absicht. Das finde ich an sich auch gar nicht schlimm, eben weil ich glaube, dass es jedem so geht. Aber so ein festes »Behinderte sollten vorrangig über Inklusion bloggen« stört mich schon - man wird auf etwas festgetackert und damit spricht man einem im Grunde genau die freie Entfaltung und Dazugehörigkeit ab, um die es eigentlich geht.

      ... Waah, und schnell noch eine OT-Frage: Ist meine Antwortmail von der »normalen« Adresse eigentlich angekommen? o.o

      Löschen
    2. Waaah ja sorry, hab grad geantwortet

      Löschen
    3. Waah, ich wollt dich nicht stressen! :D

      Ich brauch ja auch immer länger, bloß kommen auch ab und an meine Mails nicht an. *gg*

      Löschen
  2. Pfft, natürlich bewirkt ihr beide was mit eurem Geschreibsel. Nämlich, dass sich mindestens ein Leser - denn ich kann nur für mich selbst sprechen - immer freut, wenn es ein Update bei eurem Blog gibt, und Spaß dabei hat, eben diesen zu lesen. Meine fünf Cent dazu.
    (Und außerdem, dass man euch ganz einfach als Menschen wahrnimmt, die was von ihren Interessen und ihrem Leben preisgeben, aber das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein.)

    Das mit dem Verlag kommt mir bekannt vor. In meinem Fall war es meine Mutter, die nicht akzeptieren wollte, dass ich (noch? oder vielleicht auch immer) kein Interesse daran habe, meine Geschichten an einen Verlag zu schicken und meinte, das wäre ja immer besser und ich müsse es ja unbedingt tun. (Natürlich wusste sie auch besser als ich, wie ich an das Schreiben herangehen sollte und wann Überarbeitung nötig war, ganz ohne die Geschichte (und die veränderte Version) jemals gelesen zu haben.) Ich verstehe nicht, warum das für Leute, die nicht die Autoren sind, so eine große Sache ist und man es nicht einfach jeden Autoren so handhaben lassen kann, wie er es will. Was nur eine von vielen Sachen ist, die mir nicht begreiflich sind.

    Hm ... das mit dem Feedback kann sich schon auf die Motivation auswirken, denke ich. Klar schreibt man in erster Linie für sich selbst, aber es ist kein schönes Gefühl, wenn die Geschichte scheinbar niemanden interessiert oder niemandem gefällt. That being said, ich denke das gilt vor allem für Extremfälle in denen es wirklich gar keine Rückmeldung gibt oder aber die Kritik so vernichtend ist, dass man etwas länger braucht, um sie zu verdauen und sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen. Die Beschwerden über "nicht ausreichend" Feedback ... diplomatisch ausgedrückt scheinen sie mir zuweilen etwas anderer Natur zu sein.

    Tja, wenn was mit dir nicht stimmt, dann heißt das wohl, dass mit mir auch etwas nicht stimmt. ;P (Wobei ... weiß nicht eh jeder, dass ich nen Schaden hab? *pfeif*) Aber normal sein wäre auch langweilig, also ist das schon in Ordnung so. ^^
    Und ich geh dann mal weiter vor einem aufgeschlagenen Buch prokrastinieren und mir einreden, ich würde lernen. Dann kann ich vielleicht sogar von mir behaupten, ich wäre heute produktiv gewesen ^^ (und ja, mit "heute" meine ich den 13. :P)

    lg, Lia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön, das freut uns. <3 Gerade, dass du findest, dass man uns hier einfach als Menschen wahrnehmen kann. Denn genau darum ging es mir und darum geht es ja auch (eigentlich) bei der Inklusion. Wer einem Behinderten gegenüber die Inklusionskeule schwingt, während er ihm abspricht, einfach zu tun, was er gern tun möchte ... ähmmmmm. o.o .__.

      Deine Mutter wollte dir selbst in die Geschichten und die Überarbeitung reinreden? .__. Hilfe, da hab ich ja noch Glück. xD Ich finde es ja selber toll, dass sich mir ganz ohne mein Zutun diese Chance geboten hat, selber hätte ich es vermutlich nie wieder versucht - aber es gibt halt auch Geschichten, die sich nicht zur Veröffentlichung eignen, und die sind in der Überzahl und bedeuten mir unendlich viel.

      Zum Feedback: Klar, das verstehe ich auch. Gerade, dass die Leute dann das Posten einstellen; das würde ich selber auch machen, wenn wirklich rein gar nichts käme. Rückblickend betrachtet würde ich sogar AURA nicht noch mal posten, glaub ich; das hätte auch im Online-Freundeskreis mehr als ausgereicht. Aber das Schreiben selber, wenn ich für eine Geschichte brenne, aufzugeben, weil sie sonst keiner mag ... das könnte ich niemals. o.o

      Ich hoffe, das Produktiv-Sein (oder das Einreden dessen) hat geklappt. *gg* <3

      Löschen