Freitag, 27. Februar 2015

Ein Fenster nach Südafrika

AD

Als ich ein Kind war, waren meine liebsten Landschaften Felder, Bauernhöfe und die Wiesen drum herum, Schafsweiden und wieder Felder. Wir wohnten in einer solchen Gegend, damals, zumindest nahe dran, und der Anblick der Felder und Schafe und Wiesenblumen stimmte mich melancholisch-froh, obwohl ich das Wort melancholisch zu der Zeit noch nicht kannte.

Als ich eine Jugendliche war, liebte ich Irland und Schottland, schaute mir beeindruckt Bildbände und Filme über die Landschaften dort an, das Meer und die Moore und all das Grün und raue Klippen, und ich hätte vieles darum gegeben, einmal dort sein zu können, um alles mit eigenen Augen zu sehen.

Später, als junge Erwachsene, ging es mir so mit Skandinavien, mit Norwegen ganz besonders – das merkt man Bittersüß ist süß genug an, stark sogar, diese Liebe zu und diese Sehnsucht nach einem Land, das ich niemals mit eigenen Augen gesehen habe. Früher gab es viel mehr Landschaftsbeschreibungen in der Geschichte als heute, Fjorde und raues Meer im Rahmen von diversen Shootings, aber beim ersten Überarbeiten dann – ach, all der Kitsch.

Heute ist es Afrika. Alles ist Afrika, wenn man mich fragt, welche Gegenden mich am meisten faszinieren. Ich könnte mich für kein spezielles afrikanisches Land entscheiden, das mich mehr interessiert als andere. Der gesamte Kontinent interessiert mich, und mit ihm das Leben dort, mich interessiert und fasziniert Afrika in seiner Gesamtheit – ganz besonders aber dasjenige Leben, das der Lebensfeindlichkeit trotzt. Menschen, Tiere und Pflanzen, die mit dem Nötigsten auskommen (wie wir es in gewisser Weise auch tun, aber auf einer völlig anderen, relativeren Ebene).

Ich glaube, ich würde nicht selbst in Afrika leben wollen, auch nicht zeitweise – Georg könnte dort nicht in ausreichendem Maße medizinisch betreut werden (MRT, Uniklinik/Neurologie, Hautkontrollen etc.), und ich selber hätte Angst, dass ich nicht immer die Medikamente bekäme, die mein Körper zum halbwegs reibungslosen Funktionieren zwingend benötigt –, aber ich möchte von Afrika träumen. Nicht idealisierend, sondern vielfältig.

Eine Lese-Empfehlung, die mir (auch, aber nicht nur deshalb) sehr am Herzen liegt:


http://jules-tagebuch-in-suedafrika.blogspot.de/

Der Blog gehört Jule, einer wahnsinnig lieben und lebenshungrigen jungen Frau, die ich vorrangig aus Poolys Kunst- und Schreibforum kenne.

Lest Jules wundervollen Blog, wenn ihr mögt – ihre Erlebnisse im Rahmen ihres Freiwilligendienstes sind definitiv das Lebendigste und Humorvollste, was ich an Reiseberichten jemals gelesen habe, und doch vergisst sie auch ernste Aspekte nicht. Schaut euch ihre vielfältigen Fotos an (nein, es gibt nicht ausschließlich wunderschöne Landschaftsbilder zu sehen) und beobachtet sie dabei, wie sie herauszufinden versucht, wie Licht schmeckt. Lebt ein bisschen mit ihr mit; ich glaube, Jule lebt so intensiv, dass ihre Begeisterung locker für ein paar weitere Menschen ausreicht.

Jules Tagebuch ist wie ein Fenster nach Südafrika – persönlich und echt, fernab vom sachlichen und fachlichen Ton aus klassischen Dokumentationen (die ich auch mag, die aber einfach anders sind), und trotz aller Begeisterung auch fernab von Idealisierung.

Ich finde, dieser Blog ist wirklich, wirklich lesenswert und mit gerade mal vierzehn Mitgliedern (von denen drei Georg und ich sind, die Einzelprofile und das gemeinsame) absolut unterfolgt.

Ich liebe Felder, Wiesenblumen und Schafe natürlich immer noch, sehr sogar und wahrscheinlich für immer. Aber der wohlgenährte Krötenprinz und die Arschkuh auf Jules Südafrika-Blog sind mindestens genauso cool. (Und die Kakerlake auch. Sag ich jetzt einfach mal, denn Kakerlaken ist ja so einiges zuzutrauen, und sollte hier mal zufällig eine Kakerlake mitlesen, ist sie sonst am Ende noch beleidigt.)

Kommentare:

  1. Wunderbar geschrieben. <3
    Da muss ich mich doch gleich mal umsehen.

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    1. Vielen Dank! <3

      Aww, das freut mich voll - der Blog verdient echt mehr Leser. <3

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  2. Interessant, wie deine Faszination für andere Länder sich entwickelt hat.

    Gerade, was Afrika anbelangt, ist das in meinen Augen auch ein unglaublich vielfältiger Kontinent, der sich weder auf seine positiven, noch auf seine negativen Seiten reduzieren lässt. Alles ist eine Gesamtheit, die sowohl Schreckliches, als auch Schönes beinhaltet. Jules Blog ist eine gute Empfehlung, ich mag ihre Einblicke sehr und finde es total toll, dass sie die Möglichkeit hat, so viel dort zu erleben.

    Liebe Grüße! :)

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    1. Jaa, manchmal irritiert es mich sogar. :D

      Das sehe ich auch so, ja. In gewisser Weise gilt das für jedes Land, aber in den afrikanischen Ländern fällt all das noch mal um einige Nummern größer aus.

      Manchmal bin ich ja fast ein wenig neidisch auf Jules Erlebnisse - aber wie gesagt, das wäre für uns echt nicht umsetzbar. :)

      Liebste Grüße zurück! <3

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  3. Du bist ja sowas von GOLDig! Jetzt sitze ich hier mit roten Wangen und weiß gar nicht, wie ich mich bedanken soll für deine lieben Worte. Allein dass du dir die Mühe gemacht hast, einen so langen Eintrag zu schreiben, ehrt mich. Es freut mich so sehr, dass du so gerne in meinem Blog liest! Ich hatte echt keine Ahnung, dass er dir DEART gut gefällt.
    Und mir geht es genauso wie dir: Felder über Felder, Grün über Grün und hier und dort ein Bauernhof haben durchaus einen großen Reiz. Ich will ja sowieso irgendwann mal nach Irland, das steht schon fest, deswegen kann ich dich in dieser Hinsicht gut verstehen.
    Danke, danke, danke. Du bist ein Schatz.

    Alles Liebe!
    Dein Julchen

    PS: Falls ich irgendwann mal einen Schreibblog haben sollte, werde ich eure Blogs natürlich umgehend auch empfehlen. Ich hab gerade das Gefühl, dass ich mich gar nicht revanchieren kann .__:

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    1. N'aww, duuuuu! <3

      Aww, du brauchst dich doch gar nicht speziell bedanken, ich freu mich schon allein darüber, dass du dich so gefreut hast und mich bezüglich der Gegenden so gut verstehen kannst. <3 Und revanchieren musst du dich auch nicht. <3 Wir freuen uns zwar total, wenn dir unser Blog gefällt, aber wir haben da definitiv keine Erwartungshaltung oder so. :)

      Allerliebste Grüße!
      Alex

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