Donnerstag, 8. Januar 2015

Letztendlich sind wir dem Universum egal

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Gestern habe ich ein Buch zu Ende gelesen, das mich auf ganz merkwürdige Weise bewegt zurückgelassen hat. Und schon da dachte ich: Das ist so toll, das will ich unbedingt auf dem Blog vorstellen. Un-be-dingt.

Darum haben wir uns überlegt, hier ein neues Label anderer Art einzuführen: Empfehlungen.

Empfehlen werden wir allerdings nicht ausschließlich veröffentlichte Bücher, sondern auch Online-Juwelen, die aus unserer Sicht problemlos mit ihren gedruckten Kollegen mithalten können. Auch Filme, die uns auf besondere Weise überzeugt haben, möchten wir kurz hier vorstellen, vielleicht auch Musik – alles, was uns eben wirklich, wirklich gut gefallen hat und uns nachhaltig beschäftigt.

Alles in allem wird es solche Einträge aber vermutlich nicht allzu oft geben, denn es braucht schon einiges, um uns SO vom Hocker zu reißen (... stellt euch jetzt Georgs Gesicht vor), wie dieses spezielle Buch es bei mir geschafft hat.

Es geht um Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan.

Cover: © Fischer FJB

Darauf aufmerksam wurde ich, weil Lexi so begeistert davon war, und als sie über Silvester und Neujahr bei uns war, hat sie es mir mitgebracht und ich habe es innerhalb weniger Tage gelesen – obwohl ich für gewöhnlich eine grottenlahme Leserin bin.

An Der Circle von Dave Eggers kaue ich schon seit Wochen rum und komme nicht nennenswert weiter – das Buch wird zwar als regelrechte Offenbarung und absoluter Pageturner gehypt, aber auch nach über 100 Seiten bleibt die Hauptfigur ziemlich blass und öde für mich, sodass ich kaum motiviert bin, ihr weiter durch ihre (zugegebenermaßen krassen und leider beängstigend realitätsnahen) Erlebnisse zu folgen.

Ob eine Geschichte mich berührt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie nahe ich mich der Hauptfigur fühle. Wie sehr ich die Hauptfigur mag und ... ja, auch als Person schätze. Das muss kein netter Mensch sein (haha, wie sehr ich mich sonst selber hassen müsste), aber ein emotional für mich zugänglicher. Und das ist der Grund, warum Letztendlich sind wir dem Universum egal mich dermaßen umgehauen hat.

Der Klappentext:

»Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders. Das war schon immer so.«

Jeden Morgen wacht A in einem anderen Körper auf, in einem anderen Leben. Nie weiß er vorher, wer er heute ist. A hat sich an dieses Leben gewöhnt, und er hat Regeln aufgestellt: Lass dich niemals zu sehr darauf ein. Falle nicht auf. Hinterlasse keine Spuren. Doch dann verliebt A sich unsterblich in Rhiannon. Kann sie jemanden lieben, dessen Schicksal es ist, jeden Tag ein anderer zu sein?



A ist um die 16 Jahre alt und eigentlich kein Er (oder besser: nicht ausschließlich ein Er), wird hier aber in Ermangelung eines Unisex-Personalpronomens als Er bezeichnet.

Die Geschichte selbst ist in der Ich-Form geschrieben, und man merkt schnell, dass A sich selbst tatsächlich keinem der Geschlechter mehr zuordnet als dem anderen. Auch, als er_sie einmal im Körper eines transidenten Jugendlichen steckt, haut ihn_sie das nicht um, im Gegenteil.

Was (bzw. wer) A umhaut, ist Rhiannon – und die heftigen Gefühle für sie werfen As bisherigen Umgang mit all den verschiedenen Leben völlig über den Haufen. Durch sie werden die Umstände, die A im Lauf seiner_ihrer Existenz irgendwann als unveränderbar hingenommen hat, zu etwas, das plötzlich (wieder) Druck erzeugt, positiven wie negativen. A wird in vielerlei Hinsicht »jünger«, teenagerhafter, als er_sie es sich bislang erlauben konnte. Und bleibt in sich, für sich selbst doch beständiger als die meisten anderen Menschen das jemals von sich behaupten könnten. Heftige Leistung für einen 16-jährigen Menschen, klar, aber angesichts As bisheriger Existenz durchaus realistisch.

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist eine leise Geschichte, weil A ein leiser Charakter ist. Dramatisches Getöse oder Gefahr für Leib und Leben existieren nicht in diesem Buch. Selbst das Ende ist, genau wie A als Person, sehr still und tief. Ich liebe es.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt: Ich habe nicht vollständig begriffen, warum es nach As bisherigem Leben ausgerechnet Rhiannon war, die ihn_sie derart bewegt hat. Rhiannon ist sympathisch und vor allem nicht zu glatt und perfekt, aber niemand, der sich gravierend von anderen Menschen unterscheidet und damit einen solchen Umbruch »rechtfertigt«. Aber rechtfertigen muss A sich auch für nichts, finde ich. Gefühle halten sich nicht an Regeln, und genau darum geht es ja. Insofern passt das eigentlich auch wieder. Wir suchen uns nicht aus, in wen wir uns verlieben.

Wem ich dieses Buch besonders empfehle? Allen, die ungewöhnliche Lebens- und Liebesgeschichten mögen. Allen, die meine Geschichten mögen. Ich glaube, ich kann fast sagen, das Buch ist ein bisschen wie meine Sachen – nur in besser.

Das Ende bietet ausreichend Raum für eine potenzielle Fortsetzung, braucht aber nicht zwingend eine. Ich bin einfach nur begeistert.

(Und jetzt sehr glücklich, dass ich das Buch unversehrt in eine Plastikhülle [= Gefrierbeutel] packen kann, bis Lexi im April wieder herkommt. Sie hat mir nämlich mal geschrieben, dass sie Bücher wegen schlechter Erfahrungen diesbezüglich nur noch ohne Schutzumschlag verleiht, und das ist jetzt schon das zweite Buch, das sie mir mit Umschlag gegeben hat, und ich stehe große Ängste aus, irgendwie, irgendwo, irgendwann mal einem Buch von ihr an irgendeiner Stelle einen Knick oder so zu verpassen.)

Kommentare:

  1. Oh, ich muss dieses Buch haben. Das klingt unglaublich gut. Ich brauche Geld. Und ein größeres Bücherregal. Ich bin verzweifelt! :D

    Anyways: Danke für die Empfehlung! :)

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  2. Das klingt wirklich richtig richtig gut! Ich hoffe, man kann es in der Bibliothek ausleihen, denn ich bin jetzt nach dieser Empfehlung extrem gespannt darauf!
    Danke fürs Vorstellen!
    <3

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    1. Whee, das freut mich! *__*

      Ich drück die Daumen, dass du es dort bekommst! <3

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  3. Waah, ich bin so laaaaangsam.
    Aber das Buch klingt so, als würde ich es lieben. Es juckt mich in den Fingern, gleich auf Amazon zu gehen und es mir zu bestellen, obwohl ich bereits auf ein Buch warte. XD

    Jedenfalls, die Idee mit den Empfehlungen gefällt mir. ^^ Ich hab mich ja vor ner ganzen Weile selber an so etwas versucht, aber hab nur einen einzigen Beitrag mit dem Label und weiß nicht einmal mehr, ob ich dem jetzt noch zu 100% zustimmen würde. :P Aber ich bin gespannt darauf, was ihr sonst noch so empfehlt. :)

    lg, Lia

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    1. Ich doch auuuuch! :'D

      Aww, falls du es dir kaufst, bin ich neugierig, wie es dir gefällt. *__*

      Da sind wir selber schon gespannt - das werden echt nur Sachen sein, die uns wirklich, wirklich beeindrucken. Ein paar vereinzelte Empfehlungen sind aber schon in Planung. :)

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