Mittwoch, 11. Juni 2014

Vom Glück, (mit) erwachsene(n) Protagonisten zu schreiben

AD

Georg und ich haben gerade das vierzehnte Kapitel von Los und Lassen, dem sechsten LdE-Teil, überarbeitet. (Das heißt, ich lese es ihm vor und er sagt, wenn irgendwas komisch klingt – es ist anders als früher das »normale« Betalesen, aber es klappt ganz gut und ist vor allem zum Teil sehr lustig.)

Dieses Kapitel ist das erste Perspektivkapitel von Emil Kurt-Keppler (AURA-Lesern bekannt aus Straßenkötersinfonie und Zeitlos und Akelei), der eine große Rolle in LuL spielt – und beim Vorlesen ist mir, allerdings erst gegen Ende des Kapitels, etwas aufgefallen: Ich habe mich bei Emil kein einziges Mal gefragt, ob er glaubwürdig rüberkommt. Das ist – innerhalb von LdE – eine echte Premiere für mich.

Okay: So etwas frage ich mich auch bei anderen LdE-Protagonisten nur temporär. LdE ist die Reinform von »Für sich selbst schreiben«, und auch wenn Lexi und ich uns immer wahnsinnig darüber freuen, wenn es jemandem gefällt – an erster, zweiter, dritter oder sonstiger vorderer Stelle steht das einfach nicht innerhalb dieses Universums.

Dennoch: In den bisherigen LdE-Geschichten habe ich ausnahmslos alle Charaktere, deren Kapitel ich geschrieben habe, zwar angeherzt ohne Ende, konnte mich aber nie zu einhundert Prozent mit ihnen identifizieren. Einfach, weil es entweder (zumindest emotional) sehr, sehr junge Personen sind wie Dian, Fleik und Joe, die teilweise auch mal total zum Kind werden wie in Seelenbrüder, oder aber Giganten der Jahrtausende. Emil dagegen ... ist einfach ein ganz normaler Mensch Mitte zwanzig. Ein teils ziemlich kaputter Mensch, der sich auf jeden Fall eine kindliche Seite bewahrt hat, aber zugleich jemand, der mit beiden Beinen auf der Erde steht, (wie auch immer) für sich zu sorgen weiß – und auch darauf bedacht ist, einigermaßen seine eigenen Interessen zu wahren. Das ist beim Schreiben und Überarbeiten einfach unglaublich ... wohltuend. Ja. Emil macht Spaß. Da er aber einer jener plauderlustigen Kopfgäste ist, die ihr Schicksal lieber selber in die Hand nehmen, als es gänzlich der Autorin bzw. den Autoren zu überlassen, käme es mir fast gemein vor, »Es macht Spaß, ihn zu schreiben« zu schreiben. (»Es macht Spaß, ihn zu schreiben« zu schreiben – das mit der Eloquenz üben wir noch mal.)

Lia hat auf Poolysneulich etwas aus meiner Sicht sehr Treffendes geschrieben: Als Autor verliert man oft das realistische Gespür dafür, wie eine Geschichte auf den Leser wirkt. Ob der Erstleser wirklich das herausliest, was man selbst gemeint und empfunden hat. (Ähm, das ist total aus dem Gedächtnis zitiert, und ich finde es gerade nicht mehr, aber ich glaube bzw. hoffe, den Kern der Aussage trifft es.)

Und obwohl mir das bei LdE nie vordergründig wichtig war und immer noch nicht ist, glaube ich, sagen zu können, dass Emil der erste »meiner« LdE-Charaktere ist, bei dem ich mir einigermaßen sicher bin, dass potenzielle Leser ihn so oder zumindest sehr ähnlich wahrnehmen werden wie Lexi und ich als Autorinnen. (Ja, das ist ein SEHR schwammiger Satz, und ganz sicher kann ich es ja auch nicht wissen. *gg*)

Auch bei Chris(tian) Rein (Grenzwandler-Lesern aus Todes Sehnsucht bekannt und bereits die Hauptperson des fünften LdE-Teils Der Klang von Hoffnung) kann ich mir das sehr gut so vorstellen, und ich darf hier nun schon mal spoilern, dass Chris und Emil die beiden Hauptperspektiven in LuL innehaben (allerdings in zwei weitgehend voneinander unabhängigen Handlungssträngen). Deshalb habe ich bei LuL die bislang geringsten Zweifel daran, dass wir die Anliegen der zwei absoluten Hauptpersonen (es gibt noch ein paar weitere Perspektiven) wirklich so transportieren können, wie wir sie selbst empfinden.

Und nicht nur auf dieser »Transport-Ebene« ist das toll, sondern auch vor allem deshalb, weil es eben einfach Spaß macht – auf einer noch einmal anderen Ebene, als das mit Charakteren der Fall ist, deren geistig-emotionaler Entwicklungsstand ein ganz anderer ist als der eigene, zumindest geht es mir so. Ich schreibe alle unsere LdE-Charaktere gern, und »fremde« Entwicklungsstände sind natürlich wahnsinnig spannend, aber das mit Emil ist unter all dem Besonderen noch mal etwas speziell Besonderes für mich. (Hilfe, ich stell mir grad vor, wie unsere beiden Leserinnen den Kerl dann eigentlich total doof finden, sich aber nicht trauen, es offen zu sagen, weil ich so begeistert von ihm bin. *gg* Ähm, nein, falls es so sein sollte: Das wäre total okay, Emil ist da nicht empfindlich, und seine Tippse deshalb auch nicht. :D)

Gezeichnet hab ich ihn auch schon – über den Erfolg darf gestritten werden (aber er ist kein so unbequemes imaginäres Model wie ... jemand anders):


Und noch ein LuL-Spoiler
















„Warten Sie bitte noch mal kurz. Ich klär das, versprochen.“ Die Dürre sieht aus, als würde sie gleich losheulen, und spurtet nach unserem kollektiven Nicken zurück ins Haus.

„Jetzt holt sie ihren fliegenden Teppich“, flüstert Til, und wir brechen in heilloses Gelächter aus. Die Sache hier ist zwar ärgerlich, aber gleichzeitig doch auch ein Riesenspaß. Es ist immer ein Riesenspaß, wenn man nach niemandes Pfeife tanzen muss.

Und das ... hätte ich nicht denken sollen.

„Sie brauchen einen fliegenden Teppich?“, erklingt hinter uns eine Stimme, und ich glaube, mir bleibt jetzt nichts anders übrig, als endgültig zu Eis zu erstarren. Es ist eine männliche Stimme. Eine tiefe, klangvolle Stimme. Eine schöne Stimme. Die ich nie wieder hören wollte, verflucht noch mal. Was zur Hölle sucht Montinari hier?

„Wir brauchen jemanden, der einen Elektrorollstuhl in den achten Stock eines Gebäudes befördern kann“, antwortet Carlo freundlich und wendet den Stuhl. Das Ding zu bedienen, fällt ihm jetzt viel schwerer als früher, aber Zeus hat das Teil so was von perfekt generalüberholt, dass einem Außenstehenden nicht auffallen dürfte, dass es für Carlo trotzdem nicht ganz leicht ist.

Auch Til und ich drehen uns um. Langsam. Ich glaube, Til sieht mir an, wer das ist. Ich habe in den letzten Monaten fast verlernt, wie meine Maske funktioniert. Definitiv ein Fehler an Tagen wie diesen.

Kommentare:

  1. Ui, spannend. :D Und Andrea.
    Also ich mag den Teaser. Und schäme mich, zugeben zu müssen, dass ich mit den beiden Teilen die nach dem Leuchten kommen immer noch nicht angefangen hab. T_T Eine Leseschnecke bin ich auch noch, jawohl. XD Aber das kommt noch.

    Dass Emils Persepektive Spaß macht, kann ich verstehen. Ich mag den Kerl übrigens total. Wirklich. *_*
    Bisher fand ich auch alle Perspektiven glaubwürdig (vor allem Esther :D), aber die Zweifel kann ich nachvollziehen. Und jetzt frage ich mich gerade, ob meine Charaktere nicht auch irgendwo alle die Stimme eines 19-jährigen Mädchens haben. Und ich habe ja nun viele Charaktere, die schon ein paar Tausend Jährchen auf dem Buckel haben. Wäre irgendwie doof, wenn die alle nicht glaubwürdig geschrieben sind. :P Hm.

    Wie auch immer, Emil sieht gut aus. Also attraktiv, wenn man ihn sich als echten Menschen vorstellt, und er hat tatsächlich was von Kurt Cobain. Und die Haare sind echt toll gezeichnet. :D Da werd ich echt neidisch, weil Haare mir überhaupt nicht liegen. Vor allem kein männlichen Frisuren. ._. XD

    Ehm, ja, und das mit den qualifizierten Kommentaren üben wir nochmal. Ich seh jedenfalls zu, dass ich bald zum Lesen komme, bin nämlich schon gespannt, wie es weitergeht. Und ich freu mich schon auf LuL (auch wenn ich da immer entweder LoL oder Lulu sehe und das .... äh, lassen wir das, dazu müsste ich zu weit ausholen. XD)

    lg, Lia

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    1. Das Denkwürdige ist geschehen: Andrea Montinari hat sich von sich aus zu einem Blogkommentar geäußert. *-* xD

      Es war zwar nur ein halb geschnaubtes »... Das ist keine Frisur!«, aber das ist ja immerhin etwas, und außerdem steht er auf diese angebliche Nicht-Frisur. *hust* Das ist auch an sich kein Spoiler, das merkt man einfach. xD

      Wann die jeweiligen Teile gelesen werden, ist ja total frei - sie sind da und laufen definitiv nicht weg. :)

      Ich glaube, wenn man mit ein bisschen Planung rangeht, kriegt man schon auch so alte Charaktere glaubwürdig hin, egal wie alt man selber ist oder was man selber schon so erlebt hat. :) Aber bei LdE ist Planung halt so gar nicht drin, daher fällt das total aus jedem Raster. Aber wir freuen uns sehr, dass du bislang alle Leute glaubwürdig fandest, und Emil grinst sich einen ab darüber, dass du ihn magst/attraktiv findest. :D (Signore Konterpart verdreht die Augen. *gg*)

      ... Lulu seh ich auch immer! Aber eine andere Abkürzung fällt uns halt nicht ein. :D

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    2. Ui, nicht schlecht. :D
      Hehe ... ich muss ja zugeben, dass ich Andrea und Emil schon die ganze Zeit geshippt hab, seit der Straßenkötersinfonie.
      Ich bin seit einiger Zeit wirklich ... shipfreudig. Und bei mir gibt's dafür nur "halbe Sachen" und gen mit zu vielen Ship Teases *hust* XD

      Würde mich auch sehr beunruhigen, wenn sie weglaufen würden. XD Aber ich fang demnächst auf jeden Fall mal an. Bin ja schon neugierig wie es weitergeht. ^^

      Tja, Planung ist bei mir leider auch nicht so ganz drin, zumindest nicht bei Nichts währt ewig (das würde man dann NWE abkürzen ... ehm, ja O.o).
      Hehe, Emil ist toll. :D Und Andrea. (Diesen Satz bringe ich jetzt ständig, wenn Andrea irgendw auftaucht und ich ihn anherzen muss. XD "[Hier psitives Statement einfügen]. Und Andrea *_*" XDD Nein, bei meiner Hirnentwicklung ist nichts schief gelaufen und ich habe auch keine Drogen intus. Wieso? *unschuldig pfeif*)

      Ich lese auch gerne mal LuL und spreche es im Kopf dann aber auch Lul aus und nicht "Ell U Ell. Das klingt auch ... lustig. Und der Satz eben war mal wieder ein Musterbeispiel dafür wie meisterhaft eloquent das Lia die deutsche Sprache nutzen kann, jaja. ^^'

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    3. ... Ich muss gestehen, ich hab nach der Sinfonie gedacht, ich würde nie wieder etwas von Emil und Andrea hören. ._. Das Shippen kam erst später, so gegen Januar dieses Jahres, als LuL angefangen hat. :D

      Ship Teases sind auch gut! Ich mag so total unklare Sachen ja mindestens genauso gern. :D

      NWE ... klingt wie ein Stromversorger. *gggg* Aber lass dich am besten einfach überraschen. :) Ich denke schon, dass du deine »Alten« glaubwürdig hinkriegen wirst. :)

      Und irgendwie merke ich gerade, dass ich LuL im Kopf noch nie ausgesprochen habe. Ich glaub, wenn ich es tun würde, würde ich aber zu »Ell U Ell« tendieren. :D

      ... ich bin sehr dafür, dass du das über Andrea schreibst. :D Allein dafür, wie er immer die Augen verdrehen wird, lohnt sich das. *-* *gg*

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