Dienstag, 3. Juni 2014

Erste Schreibversuche ~ ^A

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[Ja, der Zusatz ^A im Titel darf so verstanden werden, dass Georg demnächst ebenfalls einen Eintrag dieser Art posten wird. *gg*]

[Blamage Anfang] Meine allererste Geschichte war eine winzig kleine FanFiction, auch wenn ich zu der Zeit den Begriff FanFiction noch nicht kannte. Sie handelte von Sonic, dem blauen Sega-Igel – damals war ich circa zehn Jahre alt, und die Haupthandlung bestand darin, dass Dr. Robotnik Sonic im Wald allerlei Fallen stellt und er (ja, ja, du blauer Gary) schon aus der Ferne immer spürt, dass ihn Unheil erwartet. Außerdem führt er jede Menge Selbstgespräche über Robotniks Dummheit und seine eigene Klugheit, und darüber, woran man den Unterschied erkennen kann. Leider besitze ich die Geschichte heute aber nicht mehr, was auch deshalb schade ist, weil da ein paar Zeichnungen der Sega-Figuren (Sonic, Tails, Knuckles) dabei waren, die gemessen an meinem Alter ziemlich niedlich aussahen.

Ernsthaft mit dem Schreiben angefangen habe ich aber erst in meiner Realschulzeit – mit Lehrer-Fopp-Geschichten, die tatsächlich auch so etwas wie Plots hatten und in denen ich mich auf fiktive Weise für Ungerechtigkeiten aller Art rächte, ganz nach dem Motto: Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, brat ihm einen Entsafter über, und wenn das auf realer Ebene nicht möglich ist, tust du es eben auf fiktiver. Durch den Kakao gezogen wurden z.B. eine extrem übergewichtige Lehrerin, die auf einer Klassenfahrt in der Bustür steckenbleibt, oder ein extrem ungepflegter Lehrer, der (Mowgli-Style) im Wald bei einer Stinktierfamilie aufgewachsen ist und nun immer noch glaubt, ein solches zu sein. Den prall gefüllten Ordner mit meinen »Lehrergeschichten« besitze ich noch heute.

Je gemeiner die betreffenden Lehrer zu mir (bzw. uns, meine beste Schulfreundin machte nach kurzer Zeit auch mit *gg*) waren, desto schlimmere Dinge stießen ihnen innerhalb der Geschichten zu. Teils haben wir sogar Gedichte und Lieder (!) über unsere Lehrer geschrieben, die aber niemals das Tageslicht erblicken sollten.

Meine Spezialfreundin unter den Lehrkräften war die bereits erwähnte extrem übergewichtige Dame – auf ihrem Übergewicht bin ich in den Geschichten ziemlich herumgeritten; nicht etwa, weil ich dickenfeindlich wäre (ich bin selber definitiv nicht schlank *hust*), sondern weil das einfach ihre offensichtlichste Schwachstelle war. Dieser Frau ist etwas gelungen, was weder vor noch nach ihr jemals jemand geschafft hat: Sie hat mich in der Öffentlichkeit (in dem Fall vor der Klasse) zum Heulen gebracht. Demnach wurde sie zu einem meiner absoluten Lieblingsopfer innerhalb der »Lehrerliteratur«.

Frau P., ein unübersehbares Wesen
Ihr Magen ist voll mit Würsten und Käsen

[Ein harmloses Beispiel in Reimform]

In Geschichtenform gab es noch viel mehr über die gute Frau P.; zwei (ebenfalls harmlose, die schlimmeren Sachen kann ich auf keinen Fall irgendwo einstellen) Geschichtenanfänge gibt es hier nun mal zu lesen:

Fiasko auf dem Lehrertanzball

[Geschrieben mit circa dreizehn Jahren]

Eines schönen Tages war es so weit: Die Lehrer der Name-der-Schule wollten einen Tanzball veranstalten.

Diese Idee stammte ursprünglich von Frau P., die in ihrer Lieblingszeitschrift »Besser essen« gelesen hatte, dass das A&O eines perfekten Tanzballs ein reichliches Buffet war. Von diesem Einfall fasziniert, rief sie sofort ihre beste Freundin Frau B. an, die genauso gerne aß wie sie. Jedoch blieb die erwartete Begeisterung aus.

»Aber M.«, sagte Frau B. am anderen Ende der Leitung, »du weißt doch, dass du auf dein Gewicht achten musst.«

»Meinst du wirklich?«, stöhnte Frau P. enttäuscht.

»Na ja«, lenkte Frau B. ein, »etwas mollig zu sein ist ja keine Schande.« Dies sagte sie nur, um Frau P. nicht zu verletzen. Für jemanden, der seine Brille verlegt hatte, war es ausgesprochen schwierig, Frau P. von einem Elefanten zu unterscheiden.

»Dann machst du also mit?«, japste Frau P. erfreut und hüpfte glücklich auf und ab. Die Leute, die zur selben Zeit an ihrem Haus vorbeigingen, kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn ein wackelndes Haus hatten sie noch nie zuvor gesehen.

»Natürlich«, antwortete Frau B. würdevoll.

»Jetzt gleich?«, fragte Frau P., die sich im Geiste schon ausmalte, wie herrlich das Buffet ihr schmecken würde. »Wir müssen noch so viel besprechen ...«

»Na gut«, meinte Frau B., ebenfalls von der Vorfreude ihrer Kollegin angesteckt. »Aber erst muss ich meine Haare fertigmachen.« Sie war nämlich gerade dabei, sich eine neue ihrer berühmten »Superlilaflashlight-Tönungen« aufzutragen, die zu 40% aus lilafarbener Ölfarbe, zu 10% aus auberginefarbenem Farbkonzentrat und zu 50% aus Pflaumenmus bestanden.

Eine Stunde später war sie bei Frau P. Auch Frau J. wurde alarmiert, und zu dritt beschlossen die Lehrerinnen, den Tanzball zu einer schulischen Veranstaltung zu machen. »Dann kostet’s für uns weniger«, meinte Frau P., die sich von dem gesparten Geld einen Schweinebraten kaufen wollte ...

[...]

Der wahre zweite Untergang der Titanic

[Geschrieben mit circa vierzehn Jahren]

Es war ein wunderschöner Herbsttag im Jahr 1997, als Frau P. in ihrer Lieblingszeitschrift »Besser essen« einen riesigen, über zwei Seiten langen Artikel über einen neuen Film namens »Titanic« entdeckte. Dieser sollte die Schiffskatastrophe von 1912 noch einmal von ihrer romantischsten und doch dramatischsten Seite zeigen und neue Informationen über das alte Drama bringen.

In diesem Bericht stand unter anderem auch, dass die Verköstigung auf dem Luxusdampfer überaus reichlich und sehr schmackhaft gewesen war und dass auch die Dreharbeiten zu diesem gigantischen Film in diesem Sinne weitergeführt werden sollten.

Als Frau P. das las, war sie sofort begeistert von der Geschichte und schmökerte alle Seiten komplett durch. »Ohhh«, seufzte sie, »das Essen ist dort bestimmt außerordentlich lecker! Und ... ooohhhhh ... was sehen meine entzückten Augen?! Was für ein süßes kleines Zuckerschnütchen, dieser Leonardo DiCaprio!!! Ach, schade, dass ich ihn nicht einmal persönlich kennenlernen kann. Mit so einem Mann kann man sich die erlesensten Speisen leisten ...«

Doch plötzlich hielt sie inne. »Moment!«, rief sie. »Das ist ja ...« Ja, tatsächlich, Frau P. hatte am Ende des Artikels einen kleinen Abschnitt entdeckt, der sie brennend interessierte: MITMACHEN UND GEWINNEN!!!, stand da. ERLEBEN SIE EINE WOCHE LIVE AM SET ZU DEN DREHARBEITEN VON »TITANIC« UND LERNEN SIE HOLLYWOOD SOWIE ZAHLREICHE SUPERSTARS BEI PERFEKTEM SERVICE UND VORZÜGLICHEM ESSEN GANZ HAUTNAH KENNEN!!! JETZT MITMACHEN: BEANTWORTEN SIE NUR FOLGENDE FRAGE: WIE HEISST DER HAUPTDARSTELLER AUS DEM MEGASTREIFEN »TITANIC«?

Nun war Frau P. nicht mehr zu halten. Sofort kritzelte sie – in Gedanken schon bei dem vorzüglichen Mahl und bei Leonardo DiCaprio, den sie nun insgeheim ihr »kleines Zuckerschnütchen« nannte – den Namen ihres Lieblings auf eine Postkarte, warf diese in den Briefkasten ... und vergaß die Sache ziemlich bald wieder, weil ihre Freundin Frau B. sie zum Essen einlud und sie selbst in der Eile ganz vergessen hatte, einen Schweinebraten einzukaufen.

[...]

Tjaaaah. *hust* Die Tanzball-Geschichte geht so aus, dass der vorab erwähnte extrem ungepflegte Lehrer mit dem ihm eigenen Gestank dafür sorgt, dass die komplette Tanzgesellschaft zusammenbricht und diverse Krankenwagen anrücken müssen. Die Titanic-Geschichte endet damit, dass die Lehrertruppe die Dreharbeiten mit ihrer bloßen Anwesenheit sabotiert und letztlich sogar den Titanic-Nachbau zum Untergang bringt, da Frau P. Leonardo DiCaprio auf dem Schiff verfolgt, worauf es wie das Original auseinanderbricht. (»Hilfeee!«, schrie Leonardo DiCaprio. »Ich bin zu jung zum Sterben!!! Ich dachte, das soll ich nur so im Film spielen!!! Hilfeeeeeeeeee!!!«)

Großartige Unterhaltung. Fand ich damals. [/Blamage Ende]

Kommentare:

  1. 'Demnächst' darf allerdings ruhig etwas großzügig ausgelegt werden. :'D

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  2. :D ... Danke Alex für Deinen Eintrag heute. Ich "smile" gerade so vor mich hin.

    Und wieso Blamage? Ich finde es faszinierend, wie Du mit 14 schon so gut formulieren konntest. Respekt *verneig*.

    “demnächst: bald, binnen Kurzem, dieser Tage, in absehbarer/nächster Zeit, in Kürze, in [naher] Zukunft, künftig, nächstens, über kurz oder lang, zukünftig; (gehoben) dereinst; (veraltend) alsbald; (Papierdeutsch) in Bälde“

    So war das doch bestimmt gemeint – oder (und nicht als schwammiges Etwas, um Zeit zu schinden ;) )?

    LG: K.

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    1. Hihi, danke ebenfalls für deinen Kommentar! <3 Ich freu mich sehr darüber, dass ich dich damit so gut unterhalten konnte. :D

      Ich muss zugeben, den Schreibstil finde ich tatsächlich selber auch nicht schlecht – es ist eher der Inhalt, den ich dezent blamabel finde. *gg* Deutsch war in meiner gesamten Schulzeit das einzige Fach, in dem ich konstant auf 1 stand – außer in der Abschlussprüfung, die hab ich vermasselt, eine 3 geschrieben und letztlich dann eine 2 im Abschlusszeugnis »kassiert«. Ebenso konstant stand ich allerdings in Mathe zwischen 5 und 6, sodass sich das wieder ausgeglichen hat. *hust* Wenn ich mir heute aber den »Lehrerordner« so durchlese, bin ich trotzdem erstaunt und gemessen am damaligen Alter ein bisschen stolz, wie wenig Fehler er enthält. :)

      Von mir war das schon so gemeint, ja. *gggg*

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    2. *hust* Ich gebe mir Mühe. :-) *hust*

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