Samstag, 1. März 2014

Einen zu viel gezwitschert? Von fragwürdigen Hashtags und emotionalen Entgleisungen

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Puh. Ich weiß gar nicht, wie und wo ich anfangen soll. Im Grunde weiß ich nicht mal, ob es eine gute Idee ist, diesen Post zu schreiben. Und ich mache mich jetzt einfach mal darauf gefasst, dass er jede Menge Autorenfavo-Verluste auf FF.de und Entfolgungen auf Twitter nach sich ziehen wird – tja, ähm, geht schon klar. Denn sein lassen kann ich es trotz aller Zweifel nicht.

Auf FF.de gibt es seit einiger Zeit einen jungen User, der sich alles andere als beliebt macht. Ist eine Tatsache. Darüber regen sich zahlreiche andere User auf. Ist ebenfalls eine Tatsache, und sie tun es zu Recht. Auch ich habe mich schon mehrfach über besagten User geärgert, sowohl in meiner OP-Zeit als auch in den letzten Wochen. Damit wir uns da von Anfang an richtig verstehen: Ich habe Verständnis für jeden, der mit der Art dieses Users nicht klarkommt.

Heute habe ich aber etwas bemerkt, das mich nicht nur verwundert, sondern aufs Allerderbste schockiert hat. Auf Twitter ist eine kleine Gruppe von FF.de-Nutzern dazu übergegangen, gemeinsam öffentlich über diesen einen User herzuziehen. Dass gelegentlich mal ein genervter Kommentar auf Twitter fiel, war mir bekannt, bislang hielt sich das aber im Rahmen – dachte ich bis heute.

Heute habe ich entdeckt, dass der User inzwischen einen eigenen Hashtag verpasst bekommen hat. Ich habe diesen Hashtag in das Suchfenster eingegeben, und mir stand sprichwörtlich der Mund offen angesichts der Anzahl der Tweets, die von mehreren FF.de-Usern mit eben diesem Hashtag verfasst wurden.

Die Rechtfertigung? Er nervt, gehört an die Wand geklatscht, benimmt sich unter aller Sau etc.

Tja. Und auf Twitter eine Gruppenlästerei von derartigem Ausmaß zu veranstalten, ist besser? Reifer? Erwachsener?

Der User, um den es geht, ist minderjährig. An der Lästerei auf Twitter sind Erwachsene beteiligt. Und ab und zu fällt mal eine Aussage wie »Ich muss mich so zusammenreißen, um nichts dazu zu sagen« – und ich frage mich: Warum?

Warum auf Twitter lästern, wenn man nicht an Ort und Stelle Kontra gibt? Nicht auf beleidigende Weise, auch nicht auf »Wir starten jetzt mal wieder eine große Forenklopperei«-Weise. Sondern in gemäßigtem Ton, der zeigt, dass das Verhalten des Users extrem negativ rüberkommt und so nicht erwünscht ist.

Ebenso möglich und in besonders unschönen Fällen in der Regel die bessere Idee: Den Operator anschreiben, in dessen Bereich ein User sich danebenbenimmt, und um dessen Eingreifen bitten. In Fällen, die gegen die auf FF.de ja eigentlich großgeschriebene Nettiquette verstoßen, wird der betreffende OP das auch tun.

Ich bin wirklich der allerletzte Mensch, der sich bei Aufregern immer im Griff hat. Besonders in dem Jahr, in dem ich OP war, habe ich das bemerkt – weil ein OP eben, anders als andere User, nicht einfach offline gehen kann, wenn ihn ein bestimmter User stresst. Zu Usern selber bin ich natürlich höflich geblieben, aber gerade auf Twitter habe ich da schon auch öfter genervte Kommentare gepostet. Allerdings, behaupte und hoffe ich, auf eine Weise, die keinen User öffentlich enttarnt und bloßgestellt hat.

Und darum geht es mir gerade. Dampf ablassen ist kein Verbrechen. Sich aufregen ist kein Verbrechen. Aber ist es wirklich nötig, jemanden öffentlich dermaßen zu dissen? Noch dazu jemanden, der gemessen an seinem Alter noch als Kind durchgeht? Es schockiert mich. Und es beschämt mich auch. Weil Menschen daran beteiligt sind, die ich eigentlich schätze und die, wenn sie untereinander twittern, sehr sensibel wirken.

Würde diese öffentliche Lästerei auf FF.de stattfinden, wären die Betreffenden längst verwarnt und die Beiträge editiert worden. Insofern finde ich Twitter als Ausweichportal umso feiger. Kein OP kann den Betreffenden was, weil die Twitter-Accounts der User nicht in ihren Einfluss- und Zuständigkeitsbereich fallen.

Wie gesagt: Ich verstehe den Aufreger. Ich rege mich selber auf. Und ich halte es für absolut legitim, in einem geschützten Rahmen Dampf abzulassen. Das macht das Lästern an sich nicht schöner, befreit aber ungemein. So was kann man telefonisch machen, per PN, in Skype – unter Freunden, die den eigenen Ärger verstehen und teilen.

Aber öffentliche Hetzerei? Auf Twitter? Auf eine Weise, dass man nicht nur deutlich erkennen kann, sondern erkennen MUSS, wer damit gemeint ist? Das ist erbärmlich. Und wer sich so benimmt – sorry, der ist nicht im Mindesten besser als der, über den sich da in so großem Stil aufgeregt wird.

Kommentare:

  1. Ich... weiß gerade gar nicht, was ich sagen soll. Ich sitze hier mit hochrotem Kopf und stelle gerade fest, dass ich in diesem Sinne - gelinde gesagt - Scheiße gebaut habe.
    Dazu muss ich sagen, dass ich mehrere Gründe hatte, mich über betreffenden User aufzuregen. Du hast schon recht, dass es feige ist, auf Twitter auszuweichen. Aber ich wusste nicht, wo ich sonst hätte Dampf ablassen sollen, zumal mein Account dort geschützt ist. Und so ist es dann mit dem Rudeltrieb: Einer regt sich mal auf, dann regt sich der nächste auf und schließlich stellen alle fest, dass es doch einen tollen gemeinsamen Nenner gibt. Ja, es ist erbärmlich, das sehe ich jetzt ein. Und ich denke, dass ich auch diejenige bin, die sich am meisten danebenbenommen hat.
    Aufgrund eines Wettbewerbs hatte ich Kontakt mit dem entsprechenden User und fand einige seiner Vorgehensweisen recht fragwürdig. Daraufhin habe ich ihn auf die geringe Fairness seiner Vorschläge hingewiesen, doch am Ende wurde es mir zu bunt, ihm nach jedem zweiten Satz etwas anderes vorzuschlagen. Schließlich ist mir dann der Kragen geplatzt und ich bin damit zu Twitter. Ich gebe zu, Aufmerksamkeitsheischerei war da durchaus ein Motiv, wo doch alle gerade auf einen Nenner/ein Opfer gekommen waren.
    Am Ende bleibt mir nur, Danke zu sagen. Danke für diesen Post.
    Ich werde die betreffenden Tweets jetzt löschen gehen.

    Liebe Grüße
    @writingwitness

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    1. Liebe Witness,

      wow, mit einem solchen Feedback hätte ich nie im Leben gerechnet. Eher mit einer Massenentfolgung auf Twitter. Deshalb zuallererst vielen Dank!

      Deine Tweets habe ich gar nicht mehr gesehen - dass du auf Twitter bist, habe ich heute erst mitbekommen.

      Die Wettbewerbsgeschichte habe ich (soweit das durchs Forum möglich war) mitbekommen, und wie gesagt verstehe ich den Aufreger auch, ich rege mich ja selber auf. Nur die Art, damit umzugehen, hat mich gewaltig geschockt.

      Dass du dich hier zu Wort gemeldet hast, hat mich wahnsinnig gefreut. Vielen lieben Dank fürs Lesen, Nachdenken und für dein Feedback!

      Alles Liebe
      Alex

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  2. Ich kann den Post so unterschreiben. (Ich bin sicher nicht komplett unschuldig, aber ja, kann ich nur so unterschreiben.)
    Ich habe mich teilweise an Unterhaltungen über ihn beteiligt und mich durchaus auch mal aufgeregt, aber (und ich hoffe sehr, dass mir das gelingt) ich versuche mich bei solchen Dingen zurückzuhalten. Besonders, wenn es um solche Hashtags geht.
    Manchmal ist es schwer nichts zu sagen und sich nicht davon hinreißen zu lassen. (Vor allem, weil man manchmal vergisst, wie öffentlich Twitter sein kann.)
    Aber die Hashtag-Sache finde ich nicht wirklich besser als Posts im Forum, in denen man sich z.B. über einen Reviewer aufregt.

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    1. Tasha! <3

      Dankeschön; ich freu mich gerade echt total, dass der Post auf Zustimmung stößt.

      Dass man sich leicht mitreißen lässt, gerade wenn man sich ja selber über dieselbe Sache aufregt, stimmt definitiv. Aber gerade das »was sagen« fände ich dort, wo der Aufreger stattfindet, besser aufgehoben (auch wenn es leider immer einzelne Menschen geben wird, bei denen man wie gegen eine Wand redet o.o).

      Dankeschön für dein Feedback und alles Liebe!
      Alex

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  3. Ich sitze hier gerade ziemlich sprachlos. Zum einen, weil ich mich unsagbar dafür schäme, dass es erst diesen Blogeintrag braucht, um mir zu zeigen, dass diese Aktion völlig daneben war, zum anderen, weil ich einfach schockiert bin, dass ich selbst nicht darauf gekommen bin, wie blöd das war.
    Ich ärgere mich gerade mehr als nur etwas darüber, dass ich das angezettelt habe; das war eine typische "Kopflos-Aktion" meinerseits, die Wellen geschlagen hat, wie ich es nicht gedacht hatte. Mein Ärger in diesem Moment über betreffenden User hätte ich ebenso gut mit mir selbst ausmachen können - verraucht ist er auch so von selbst.
    Daher kann ich nichts anderes sagen, als das ich wirklich beschämt zugeben muss, dass das wirklich sein Ziel verfehlt hat. Habe meine Tweets gelöscht, da das wirklich nichts auf Twitter zu suchen hat geschweige denn überhaupt so irgendwo im Netz stehen sollte.
    Kann deinem Blogeintrag nur zustimmen, ebenso meinen zwei Vorkommentatoren. Ich bin sehr froh, dass du mir hier die Augen geöffnet hast - hätte ehrlich gesagt gedacht, dass ich so klug bin und über ein solches Niveau hinaus bin. Scheinbar wohl doch noch nicht ganz.
    Die Tweets sind jedenfalls gelöscht. Habe sie gerade gesehen und konnte nur den Kopf schütteln. Das war wirklich nicht gerechtfertigt.

    Daher bleibt mir nichts anderes, als mich zu bedanken und zu sagen, dass das mit Sicherheit die letzte Aktion bleiben wird, die ich so dermaßen übertrieben gebracht habe.

    MsVanue

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    1. Liebe MsVanue,

      auch an dich zuallererst vielen Dank für dein Feedback! Ich wusste absolut nicht, was mich nach diesem Post erwarten würde, hatte aber echt am ehesten mit Entfolgungen etc. gerechnet.

      Es freut mich echt ungemein, dass dich der Post zum Nachdenken gebracht hat und du ihn positiv findest. Dass du dich aufgeregt hast, kann ich wie gesagt absolut verstehen, aber die Art und Weise, wie sich das letztlich geäußert hat, hat mich wirklich schockiert; auch, weil so etwas eben wahnsinnig schnell außer Kontrolle gerät.

      Nochmals danke! :)

      Alles Liebe
      Alex

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