Montag, 19. November 2012

MRT, Jackenwurst und Erderwärmung

GD

Da Alex mich nun offiziell als Gast- bzw. Mitautor eingeladen hat, versuche ich mal, mich sinnvoll einzubringen: Ich erzähle euch, wie man Alex trotz zweistündiger Wartezeit in einem übervollen Wartezimmer zum Lachen bringen kann.

Am 15.11.2012 hatte ich eine MRT-Untersuchung des Schädels in Ulm, wo sich eines der wenigen 3-Tesla-Geräte (besonders präzise Bildgebung) in unserer halbwegs nahen Umgebung befindet. Zweck der halbjährlich erfolgenden Untersuchung ist es, zu überprüfen, ob die Zyste, die ich im Gehirn habe, gleichgroß geblieben oder gewachsen ist, und ob der Zustand meines Kleinhirns stabil oder ob es weiter geschrumpft ist. Sowohl die Zyste als auch die bereits vorhandene Kleinhirndegeneration sind Spätfolgen meiner Grunderkrankung LCH-ZNS.

Ich hoffe, es stört euch nicht, wenn ich meine Krankheit grob erkläre. Alex und ich haben das besprochen, und weil sich im Lauf der Zeit sicher immer wieder Einträge ergeben werden, in denen wir darauf Bezug nehmen, finden wir es am besten, diesbezüglich ganz offen zu sein.

LCH (Langerhans-Zell-Histiozytose oder Histiozytose X) ist eine seltene Tumorerkrankung, die verschiedene Körperbereiche befallen kann: Knochen, Haut, Weichteile etc. Bei mir waren seit Ausbruch der Krankheit 1988 der Oberarmknochen, der zweite Lendenwirbelkörper, das Darmbein, Teile des Beckens und der Schädelknochen betroffen. Zudem ist bei mir das Zentralnervensystem beteiligt, und seit einer missglückten Gehirn-OP 2007 leide ich unter dem für die Krankheit typischen Strabismus. Leiden ist vielleicht falsch ausgedrückt, da ich zum Glück keine Doppelbilder sehe – Leid und Genervtheit entstehen eher, wenn ich auf der Straße angegafft werde wie die Nachgeburt eines Aliens. Dazu gibt es irgendwann einen eigenen (hoffentlich eher lustigen als jammerigen) Post; was das betrifft, haben wir schon einige Erlebnisse gesammelt.

Zurück zum eigentlichen Geschehen:

Wir hatten uns schon auf einen sehr langen Nachmittag eingestellt, aber dass es ein sooo langer Nachmittag werden würde, hätten wir nicht gedacht.

Offizieller Termin: 15:00 Uhr

Die Ulmer Hirschstraße bei unserer Ankunft

Untersuchung: 17:00 Uhr

Terminende: 18:00 Uhr

Die Ulmer Hirschstraße bei Terminende

Heureka! Es lebe das Wartezeitmanagement! Nach langem Warten habe ich mich im Wartezimmer aus meiner Jacke geschält und sie mangels Beschäftigung zu einer Jackenwurst gerollt.

Der Anlass dieses zweckdienlichen Produktes ist bei Alex zu suchen, deretwegen ich die Jacke auch zuerst anbehalten hatte: »Deine Jacke hat 140 Euro gekostet, die hänge ich auf keinen Fall an die Garderobe.« (Ich als gebürtiger Schwabe freue mich zwar, wenn meine Frau ans Geld denkt, aber mir war trotzdem zu heiß.)

Jetzt kommt der Zweck des Jackengebildes zum Vorschein: Ich stopfte es mühselig in den Rucksack, zwischen Regenschirm und Flasche (Wasser, nicht Wodka), was bei bloßem Zusammenknüllen der Jacke nicht möglich gewesen wäre.

Alex meinte daraufhin, ich solle die Jacke nicht so weit runterstopfen: »Willst du die nachher nicht wieder anziehen?«

Und jetzt der Satz, mit dem man sie plattmachen kann: »Vielleicht ist die Erderwärmung so weit fortgeschritten, bis wir hier rauskommen, dass ich sie nicht mehr brauche ...«

Wenn ihr sie zum Lachen bringen wollt, müsst ihr euch einfach was ähnlich Doofes ausdenken, wobei unser beider irres Gelächter vielleicht auch mit an der Nervosität vor der MRT-Untersuchung lag. Die anderen Leute im Wartezimmer fanden uns weniger amüsant und blickten peinlich berührt aus dem Fenster.

Dafür haben wir zum Schluss erfahren, dass sich an der Bildgebung seit der letzten MRT im Februar nichts verändert hat, und das ist ja die Hauptsache. Diverse neue und verstärkte Symptome werden wahrscheinlich von der schon vorhandenen Degeneration des Kleinhirns ausgelöst, was wir im Dezember mit meinem Neurologen in der Uniklinik Ulm besprechen werden.

Kommentare:

  1. Aww, du! <3

    Schon wegen so toller hochgestochener Formulierungen wie »Der Anlass dieses zweckdienlichen Produktes ist bei Alex zu suchen« ist es ein absolutes MUSS, dass du hier mitschreibst! <3 Und wegen des Inhalts deiner Einträge natürlich auch. <3

    Ich freu mich! <3

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    1. Ich freu mich auch schon auf die Schreib-Kooperation mit meiner besseren Hälfte! *gg*

      <3 <3 <3 <3 <3

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  2. Georg! :)

    Ich freu mich, noch mal was von dir zu lesen. Und find's toll, dass du dich an Alex' Blog beteiligst. :)

    Wie sie finde ich deine Formulierungen herausstechend.
    Dass du deine Krankheit näher erläuterst, finde ich befürwortenswert. Zum einen, weil die Erklärungen und Links hilfreich sind, um sie zu verstehen. Zum anderen, weil so etwas ruhig erzählt werden darf. Es wird ohnehin zu viel tabuisiert - wie man an den Leuten, die beschämt aus dem Fenster gestarrt haben, gut sieht.
    Alex zum Lachen zu bringen stelle ich mir als tolle Beschäftigung vor. Schön, dass dir das immer wieder gelingt. :)
    Die Bilder gefallen mir.

    Ich bin gespannt auf weitere Beiträge von dir und drücke für den Termin im Dezember die Daumen!

    Liebe Grüße!
    Jade

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    1. Jade! :)

      Ich freu mich, dass du dich freust. Doppelfreude! :) Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Jahr noch etwas schreiben würde, aber die Einladung, an Alex' Blog mitzuarbeiten, hat mich dann vom Gegenteil überzeugt. :)

      Schön, dass meine Formulierungen so einen hohen Wiedererkennungswert haben und auf Anklang stoßen. *gg*

      Und noch schöner, dass du wie wir findest, dass Krankheit nicht tabuisiert werden sollte. Für uns ist es Alltag, ebenso wie für viele andere Menschen - darüber zu sprechen, ist für uns normal, und durch die Erklärung möchten wir möglichst auch Berührungsängste abbauen.

      Danke fürs Kommentieren und Daumendrücken! <3

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